Annapurna Gipfel

Annapurna Trek in Nepal: Reisebericht Teil I

Zunächst solltet ihr über uns wissen, dass wir keine wirklichen Trekking Experten sind. Blutige Anfänger trifft es wohl eher. Ein sehr guter Freund von uns ist im März diesen Jahres den Annapurna Trek gelaufen und hat uns durch seine Erzählungen inspiriert – vielen Dank, Dimi für die vielen guten Tipps! Die 5 Monate wollten nicht nur mit einem Buch in einer Hängematte am Strand verbringen, sondern uns einer wirklichen körperlichen und mentalen Herausforderung stellen. Gesagt getan!

 

So sah unsere Trekking Route aus:

annapurna runde karte

 

Tag 1 bis 3 – Aller Anfang ist schwer

Als wir in Besisahar ankamen mussten wir uns ersteinmal um die Genehmigungen für den Annapurna Trek kümmern. Wie uns später schmerzlich bewusst wurde, ist es den Behörden sehr wichtig zu wissen, wer auf dem Trek unterwegs ist. Alle 30 km werden die Permissions kontrolliert. Nach dem erledigen des Papierkrams konnte es also endlich losgehen. Mit ca. 100 Trekkern machten wir uns an diesem Tag auf den Weg. Das Gefühl vom Wandern auf einsamen Pfaden mochte sich noch nicht so recht einstellen, aber das war uns auch ganz recht: Wir wollten uns ja nun nicht am ersten Tag verlaufen. So folgten wir einfach dem Strom. Die erste Unterkunft hätte einfacher kaum sein können. Es war eine Wellblechhütte, aber hey, wir hatten ein „private bathroom“, also ein Stehklo und einen Gartenschlauch als Dusche. Leider mussten wir auch den restlichen Trip auf eine „western toilet“ verzichten. Aber wie war das noch gleich mit der mentalen Herausforderung….

Die ersten Tage auf dem Annapurna Trek waren noch sehr warm und feucht. Die Vegetation war direkt nach dem Monsun wunderbar grün und wir sahen Schmetterlinge in den buntesten Farben. Am Anfang feierten wir jeden Wasserfall frenetisch und fotografierten ihn 100fach – bis wir bemerkten, dass diese wunderschönen Naturschauspiele hinter jeder zweiten Ecke auf uns warteten. Körperlich machte uns in den ersten Tagen vor allem der Backpack zu schaffen. Die Schulter- und Hüftriemen hinterließen doch deutliche Spuren auf unserer Haut. Und auch die Nackenmuskulatur meldete sich von Tag zu Tag lauter. Sobald man aber nach dem leckeren Abendessen totmüde um 20 Uhr ins Bett fiel, waren die Strapazen des Tages schon fast vergessen.

Einen der eher gefährlicheren Momente erlebten wir an Tag drei auf dem Weg nach Tal. Wir hatten uns wohl versehentlich für den „falschen“ Weg entschieden. Das bemerkten wir mehrere Stunden nicht, da auch einige Porter dort entlang liefen. Touristen waren jedoch weit und breit nicht zu sehen. Als wir an einer Polizeisperrung vorbei kamen, wussten wir auch warum. Über ca. 100 m war die Straße durch einen Erdrutsch weggebrochen. Die Einheimischen kletterten das sehr steile Stück zwischen Geröll und Abgrund entlang. Wir kamen uns mit den Backpacks aber eher behäbig und plump vor. Eine Klettereinlage ohne Netz und doppelten Boden hatten wir eigentlich nicht vorgesehen. Wir fragten dann etwas naiv einen Local, ob das Klettern nicht gefährlich sei – er grinste und sagte „no dangerous“. Daraufhin drückten wir ihm Elenas Backpack in die Hand. Als dieser schon auf der anderen Seite angekommen war, gab es auch für uns kein Zurück mehr. Mit zitternden Knien rutschten wir über die Felskanten, ohne dabei nach unten zu sehen. Zu allem Überfluss befand sich der Mann mit dem Hühnerkäfig-Rucksack (siehe Fotos) vor Elena und versuchte vergeblich sich an einem Vorsprung hochzuziehen. Daraufhin drehte er sich um und gab ihr panisch das Zeichen den Käfig von unten nach oben zu drücken. Dank ihrer Superkräfte gelang das Unmögliche *smile.

 

 

Tag 4 bis 6 – Verzaubert von den weißen Riesen

Das tolle am Annapurna Trek ist, dass man die Leute mit denen man am gleichen Tag startet, entweder auf dem Trek selbst oder abends in den Bergdörfern wieder trifft. So waren wir nach einigen Tagen eine Gruppe von 8 Leuten. Vier Holländer und zwei Amerikaner und wir zwei Banausen. Zu unserem Glück hatte eines der holländischen Pärchen den fantastischen Guide Raju dabei. Er hat sich schon sehr bald nicht nur um das Wohl seiner „Kunden“ gekümmert, sondern uns alle liebevoll umsorgt. Es war großartig ihm alle Fragen stellen zu können, die uns seit ein paar Tagen sehr beschäftigten. Fragen zum Leben in Nepal, der Behandlung von Sherpern, dem Hinduismus, der Politik oder zu Flora und Fauna. Die riesigen Berge, die wir seit Tag vier vor uns sahen, bekamen plötzlich einen Namen. Ok, besonders einfallsreich ist es zwar nicht alle hohen Berge Annapuna zu nennen und diese dann durchzunummerieren, aber jetzt wussten wir wenigstens auf welche Nummer wir gerade erfürchtig blickten. Der Moment, in dem wir bei Sonnenuntergang das erste Mal den Annapurna II – einen der 8.000er zu Gesicht bekamen, wird uns ein Leben lang in Erinnerung bleiben: Man kommt sich klein und unbedeutend vor. So ein atemberaubend schöner Riese wirkt aber auch faszinierend, anziehend und bedrohlich zugleich. Nun wussten wir, was unser Freund Bhadra aus dem Trekkies Guesthouse in Pokhara meinte, als er uns versprach „your heart will grow like a balloon“.

Auch wenn wir immer weiter bergauf wanderten, ging es mit unserer körperlichen Verfassung eher bergab. Vom vielen Treppensteigen hatten wir das Gefühl, die Oberschenkel eines Pferdes zu bekommen. Dabei kam uns das Gewicht des Gepäcks nicht mehr so wild vor. Beim Wandern selbst war man so sehr mit seinem Körper und der Natur beschäftigt, dass Alltagssorgen keinen Platz mehr hatten. In der Region zwischen 1500m und 3000m waren die Temperaturen tagsüber sehr angenehm und auch nachts noch sehr erträglich.

 

 

Wie wir den Schneesturm auf dem Thorong La Pass erlebt haben erfahrt ihr in der Fortsetzung…



'Annapurna Trek in Nepal: Reisebericht Teil I' have 6 comments

  1. 23/10/2014 @ 14:19 Ausz(w)eit / Annapurna Trek in Nepal: Reisebericht Teil II - Ausz(w)eit

    […] Annapurna Trek in Nepal: Reisebericht Teil I […]

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  2. 02/12/2014 @ 11:32 Ausz(w)eit / Reisebudget Myanmar für Backpacker I AUSZWEIT

    […] hatten wir einen gehobenen Lebensstandard ohne Einschränkungen oder Verzicht. Dies war uns nach 4 entbehrungsreichen Wochen in Nepal wichtig. Vor allem die Suche nach gutem, gesundem Essen war eine teure Herausforderung. Wenn man es […]

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  3. 02/12/2014 @ 13:15 Ausz(w)eit / Inle See wir kommen: Trekking in Myanmar

    […] ersten Meter seit dem Annapurna Trekk Abenteuer legten wir mit Leichtigkeit zurück und erfuhren von unserem Trekking Guide mit christlichem […]

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  4. 21/12/2014 @ 17:34 Auszweit / Chiang Mai: Kochen, Kämpfen, Klettern & Kneten I AUSZWEIT

    […] Chiang Mai sind wir durch unsere Freunde Gregg und Courtney, mit denen wir schon in Nepal das ein oder andere Abenteuer erlebt haben, zum Klettern gekommen. Sie Reisen für ein Jahr um die Welt und haben dabei einen […]

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  5. 26/04/2015 @ 20:33 Liebster Award für Auszweit I AUSZWEIT

    […] joggen. Sich in der Natur zu bewegen Mistfür uns die maximale Erfüllung. So haben wir das Wandern auf der letzten Langzeitreise für uns entdeckt. Aber auch Klettern und Freediving (geiler Öko-Sport, sehr nah an den Naturgewalten) bei uns ganz […]

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