Freediving Faszination

Faszination Freediving: Into the blue

Auf den Philippinen haben wir uns auf die spannende und herausfordernde Sportart Freediving (auch als Freitauchen oder Apnoetauchen bekannt) eingelassen und gelernt mehrere Minuten in Wassertiefen von bis zu 30 Metern zu verbringen – mit nur einem Atemzug. In diesem Post erfährst du u.a. was Freediving ist, wie es funktioniert, wer diese Sportart ausübt und wie du es lernen kannst. Persönliche Erfahrungen folgen in einem weiteren Post.

 

Was ist Freediving?


Beim Freediving geht es darum ohne technisches Gerät zu tauchen und die Unterwasserwelt auf einem natürlichen Wege kennenzulernen. Ein Freitaucher nimmt nur Flossen, Maske und Schnorchel mit ins Wasser, keep it simple.Luftring-unter-Tauchboje Geübte Freediver können den Atem minutenlang anhalten und wagen sich in Tiefen jenseits der 50 Meter. Möglich ist dies durch bestimmte Atemtechniken, Entspannung und körperliche Reflexe über die jeder Mensch verfügt – der eine mehr, der andere weniger. In einigen Küstenregionen haben sich die Urvölker dieser Methoden bedient um Fische in großen Tiefen zu erlegen oder um nach Perlen zu tauchen. Back to the roots ist also auch ein Trend, der die Tauchszene aufmischen wird.

 

Wie funktioniert Freediving?

Wie lange und tief ein Mensch unter Wasser bleiben kann hängt von diversen Faktoren und natürlich Übung ab. Besonders wichtig sind der Tauchreflex, eine besondere Atemtechnik, das Lungenvolumen und die Fähigkeit unter Wasser zu relaxen. Gehen wir etwas ins Detail…

 

Der Tauchreflex: Dein bester Freund unter Wasser

Alles Leben auf diesem Planeten hat seinen Ursprung im Wasser. So ist es kein Zufall, dass Säuglinge im Mutterleib kein Fruchtwasser schlucken können und unsere Körper zum Großteil aus Wasser bestehen.Koralle-Romblon Sowie unser Gesicht mit Wasser in Kontakt kommt wird dies von Sensoren im Nasenbereich registriert – der Tauchreflex wird ausgelöst. Deine Herzfrequenz wird deutlich gesenkt (Bradykardia, der Körper macht sich auf eine geringe Sauerstoffzufuhr gefasst. Extremitäten werden weniger durchblutet, das Blut und der darüber transportierte Sauerstoff wird von Herz, Lungen und Hirn benötigt (periphäre Vasokonstriktion).

 

Die Atemtechnik: Die Basis eines jeden Apnoetauchgangs

Eines vorweg: Die Atemtechnik beim Freediving hat nichts mit Hyperventilation zu tun! Dies ist ein hartnäckiger und verdammt gefährlicher Mythos: durch Hyperventilation nimmt dein Körper keinen zusätzlichen Sauerstoff auf, sondern reduziert lediglich das CO2 Level. Das CO2 Level löst aber den Atemreflex aus und signalisiert dem Körper wann es Zeit zum Atmen ist. Durch Hyperventilation verspätet sich der Atemreflex, der Taucher fühlt sich (zu) wohl unter Wasser und bleibt zu lange in der Tiefe. Er wird sehr wahrscheinlich einen Blackout haben. Lebensgefährlich!

 

Wie sieht also die richtige Atemtechnik aus? Während einer ca. 2 bis 3 minütigen Entspannungsatmung atmet man etwa 3-4 Sekunden ein und 6-8 Sekunden aus. Es kommt hier nicht auf ein penibles Einhalten der Zeiten ein. Wichtig ist nur, dass das Ausatmen deutlich länger als das Einatmen dauert, um Hyperventilation zu vermeiden. AtemtechnikKeep it natural. Anschließend nimmt man 2 bis 4 tiefe Atemzüge (final breaths) mit vollem Lungenvolumen und atmet ebenfalls doppelt so lange aus wie ein, etwa 5 Sekunden ein und 10 Sekunden aus. Wichtig ist, während der gesamten Zeit entspannt zu bleiben und keinen Muskel anzuspannen. Für fortgeschrittene Freitaucher gibt es noch weitere Techniken mit denen man zusätzliche Luft in die Lunge drückt, sog. Packing. Dies kann ebenfalls zu Blackouts führen und sollte nur durch einen Freediving-Lehrer oder eine geschulte Person vorgeführt werden, hier kann man viel falsch machen. Finger weg!

 

Das Lungenvolumen: nichts ist gottgegeben

Ein weiterer wichtiger Faktor für einen langen Freedive ist das Lungenvolumen. Dieses kann man ebenfalls beeinflussen und zwar durch bestimmte Atem- und Lungenstretchingübungen, die teilweise aus dem Yoga kommen. Diese Techniken werden erst während eines Level 2 Freediving Kurses gelehrt und sind nicht ganz ungefährlich, weil hierbei die Lunge zusammenfallen kann und Blackouts drohen. Weniger gefährlich ist da ganz einfach Ausdauersport, mit das Lungenvolumen ebenfalls vergrößert werden kann.

 

Entspannung unter Wasser und der Druckausgleich

Mega wichtig für die Dauer eines Tauchgangs ist die Fähigkeit zum Entspannen, die unmittelbar mit dem Druckausgleich zusammen hängt. Hier kommen viele Freediver, besonders die sportlichen und ambitionierten an ihre Grenzen. Je mehr man eine bestimmte Tiefe beim Freediving erreichen will, umso eher verkrampft sich der Körper und die Ohren blockieren beim Druckausgleich. Es gilt Übung macht den Meister:Tandem-Diveje häufiger man taucht, umso wohler und komfortabler fühlt man sich im Wasser und umso einfacher klappt der Druckausgleich, auch in größeren Tiefen. À propos Tiefe: je tiefer man taucht, umso stärker komprimieren sich die Volumina der Lunge und der Luft im Mund. Letztere braucht der Freediver für den Druckausgleich, weshalb dieser mit zunehmender Tiefe immer schwieriger wird. Interessierte finden auf der Seite von Dumagat Freedive eine detaillierte und extrem gute Beschreibung zu den verschiedenen Druckausgleichstechniken Frenzel und Mouthfill.

 

Ist Freediving gefährlich?

Nein, Freediving ist ein Sport der von jedermann erlernt werden kann und der relativ ungefährlich ist, solange man es richtig anstellt. Die Grundregel des Freedivings lautet nicht umsonst Tauche niemals alleine. Besonders bei tieferen und langen Tauchgängen droht die Gefahr eines Blackouts unter Wasser. Besonders riskant sind die letzten 10m beim Auftauchen, weshalb der Safety Taucher seinen Tauchbuddy spätestens ab dieser Tiefe beim Auftauchen begleitet. Bei ersten Anzeichen eines Blackouts (z.B. unregelmäßiger Flossenschlag, geschlossene Augen oder entweichende Atemluft) kann der geschulte Safety Freitaucher sofort eingreifen und weiss was zu tun ist.

 

Wer macht Freediving?

Freitauchen-in-der-HoehleZugegeben, man muss schon einiges an Neugier und Entdeckergeist mitbringen um freiwillig in eine Welt aus dunkelblauem Wasser zu tauchen, ohne den Meeresgrund auch nur erahnen zu können. Auch die Tatsache 10, 20 oder 30m unter Wasser zu sein während der Atemreflex einsetzt und das Zwerchfell die Lunge zum zucken bringt, ist nicht jedermanns Sache. An beides gewöhnt man sich aber schnell, die Angst vergeht. Ansonsten ist Freediving sehr beliebt bei bei Spearfishern, die mit einer Harpune bewaffnet nachhaltigen Öko-Fischfang in besonders gekennzeichneten Gewässern betreiben. Auch bei Surfern ist Freedivging sehr gefragt. Ich selbst habe allzuoft unangenehme Bekanntschaften mit Riesenwellen gemacht, die mich lange unter Wasser gezogen haben. Als Freediver weiss man besser damit umzugehen: auf 5m tauchen und abwarten, bloß nicht gegen die Welle kämpfen. Den Atemreflex geduldig hinnehmen, es bleiben noch locker 1,5 Minuten Zeit. Auch kommen mehr und mehr Scuba Taucher auf den Geschmack, die genervt sind von hohen Preisen, Massentourismus und fehlender Spontanität wegen langer Vorbereitungen.

 

Welche Freediving Disziplinen gibt es?

Wer Freediving als Wettbewerbssport betreiben will hat die Auswahl zwischen verschiedenen Disziplinen. Die gängigsten sind:

  • Konstantes Gewicht: Hierbei geht es darum, mit Hilfe der Freediving-Flossen ein im Wasser vertikal gespanntes Seil hinabzutauchen. Beim Wenden am Tiefpunkt zieht man einmal an dem Seil (das ist das Signal für die Safety Taucher dem Freediver entgegenzukommen) und taucht dann zurück an die Oberfläche. Der Weltrekord dieser populären Disziplin liegt aktuell bei 128m und wird von
    Alexei Moltschanow gehalten.
  • Tieftauchen ohne Flossen:Man taucht ebenfalls an einem veritkal gespannten Seil hinab, allerdings ohne die Flossen zu benutzen, sondern man zieht sich mit den Armen am Seil entlang. Der Weltrekord wird von William Trubridge gehalten und liegt bei 101m.
  • Streckentauchen (dynamic): Hierbei geht es darum mit einem Atemzug möglichst weit zu tauchen. Die Disziplin kann mit verschiedenen Flossenarten (Stereo Fins oder Monofins) oder ganz ohne Flossen ausgeübt werden.
  • Statisches Tauchen (static): Man hält bei völliger körperlicher Entspannung die Luft so lange wie möglich an. Die Zeit wird gestoppt.
  • No Limits: Bei dieser extremen Form des Freitauchend wird der Freediver in einer Art offenem Fahrstuhl in die Tiefe gezogen und kommt mithilfe eines Ballons zurück an die Oberfläche. Der Weltrekord liegt hier bei 217m und wird von Herbert Nitsch gehalten. Es gibt weltweit nur eine Handvoll verrückter Leute, die sich das antun.
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    Wie kann ich Freediving lernen?

    Unsere-Freediving-Lehrer-Syvain-und-EmilWenn es dich beim Lesen dieser Zeilen auch schon in den Fingern juckt und du dir gut vorstellen kannst, Freediving mit deinem nächsten Urlaub zu verbinden, dann können wir dir in jeder Hinsicht nur unsere Schule Dumagat Freedive auf den Philippinen (Romblon Island) empfehlen. Emil Lars (Foto rechts) ist der beste Lehrer den wir uns hätten wünschen können. Er ist Philippino und wir haben dank ihm sehr viel über das Leben auf den Philippinen gelernt. Die Location auf Romblon ist wunderschön und die Unterwasserwelt atemberaubend.

     

    Emil-und-Sylvain-SpearfishingWer nicht ganz so weit reisen möchte dem sei die Schule Omniblue Freedive an der Côte d’Azure empfohlen. Die One-Man-Company wird geführt von Sylvain Bes (Foto rechts), einem erfahrenen Freediver und Spearfisher, der uns während unserer Teit auf Romblon den ein oder anderen Leckerbissen erlegt hat und der mich (Alex) während des Level 2 Kurses trainiert hat. Sylvain unterrichtet auf Französisch und Englisch.

     

    Weitere Infos rund ums Freediving:

    Der Dokumentarfilm Oceanmen zeigt die Historie des Freedivings in Europa. Ein Muss für jeden Interessierten.

  • Die kurzen Youtube Videos Freefall und Ocean Gravityvom Franzosen Guillaume Nery sind legendär und weltberühmt. Völlig zurecht.
  • Das führende Standardbuch im deutschsprachigen Raum ist Apnoetauchen: Grundlagen – Trainingstipps – Praxis


  • 'Faszination Freediving: Into the blue' have 9 comments

    1. 01/02/2015 @ 2:37 Anja

      Wahnsinn, ihr eid echt verrückt! Ich hatte davon zum ersten Mal beim Tod von Jay Moriarity gehört und war dementsprechend immer vorsichtig, den Sport auszuprobieren. Safe travels

      Reply

      • 01/02/2015 @ 4:24 ElenAlex

        Hi Anja,
        dann ist der Film „Mavericks“ nicht korrekt, dort kommt er bei dem Versuch um eine 15m hohe Welle zu surfen… Falls es wirklich beim Tauchen passiert sein sollte hat er sich wohl nicht an „Never freedive alone“ gehalten. Blackouts können nur passieren wenn man sich körperlich an die Grenzen bringt – mit don’t push too hard sind wir sicher und toll gefahren 😉

        Liebe Grüße!

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    2. 25/02/2015 @ 11:25 Freediving Erfahrungsbericht I AUSZWEIT

      […] Informationen zu dem von mir belegten Kurs. Allgemeine Informationen haben wir in unserem Post Faszination Freediving für dich […]

      Reply

    3. 06/03/2015 @ 9:31 Ana

      Hey ihr Zwei,
      bin grad von PB auf eueren Bog aufmerksam geworden. Wow, Apnoetauchen schien für mich immer etwas Unerreichbares zu sein. Dank euren Beitrag, steht das nun ganz hoch in meiner Liste!

      Viele Grüße aus dem hohen Norden,
      Ana

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      • 06/03/2015 @ 19:28 ElenAlex

        Hi Ana,
        wie schön, dass dich der Beitrag dazu bewegt Freediving mal auszuprobieren. Es macht super viel Spaß und ist eine große Herausforderung zugleich. Berichte uns gerne über deine Erfahrungen. Willst du es in Deutschland oder im Ausland ausprobieren?

        Viele Grüße
        Elena

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        • 08/03/2015 @ 21:45 Ana

          Hei Elena,

          das wird bei mir noch etwas dauern, da ich gerade in Finnland wohne und es hier nicht so gerne ausprobieren würde – brrr, kaltes Wasser!
          Aber vielleicht besuche ich ja mal die empfohlene Tauschschule in Südfrankreich im Spätsommer:)!
          Ich werde berichten!

          Liebe Grüße,
          Ana

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    4. 03/04/2015 @ 11:13 Geheimtipp Philippinen: 10 Highlights der Insel Romblon I AUSZWEIT

      […] zu bleiben und bis zu 30m tief zu tauchen (nach ca. 5 Tagen Übung) erfährst du in unserem Post Faszination Freediving . Auf Reisen hast du die Möglichkeit dich persönlich weiterzuentwickeln, deine tiefsten Ängste […]

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    5. 26/04/2015 @ 20:34 Liebster Award für Auszweit I AUSZWEIT

      […] So haben wir das Wandern auf der letzten Langzeitreise für uns entdeckt. Aber auch Klettern und Freediving (geiler Öko-Sport, sehr nah an den Naturgewalten) bei uns ganz hoch im […]

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