Freediving Erfahrungsbericht einer Wasserscheuen

Freediving oder Apnoe-Tauchen ist ein einzigartiges Taucherlebnis völlig ohne Sauerstoffflasche nur mit der eigenen Atemluft. Man begibt sich hinab in diese dunkle, unbekannte Welt ohne vorher zu wissen wie tief man dieses mal hinabtauchen wird. Klappt der Druckausgleich? Bin ich entspannt genug? Kann ich meinen Geist beruhigen? All das ist schon schwierig genug, wenn man sich im und unter Wasser richtig wohl fühlt. Bei mir war das leider nie der Fall. Hier erfährst du, wie ich meine Angst Schritt für Schritt überwunden habe und was das besondere am Freediving ist.

 

Die Urangst vor dem Wasser

Als Alex von einem Freund auf Reisen zum ersten Mal gedanklich in die Welt des Freediving entführt wurde, war er sofort Feuer und Flamme. Gut dachte ich mir, dann verbringe ich eben ein paar gemütliche Stunden am Strand, während er sich im Wasser vergnügt. Soweit mein Plan. Diesen hatte ich aber ohne unseren sehr ambitionierten Tauchlehrer Emil (Dumagat Freedive) gemacht. Auf die Anfrage von Alex schrieb er per Mail zurück, dass das Freediving Erlebnis viel zu gut sei, um es nicht mit jemandem zu teilen.

 

Unser-Spot

 

Was mache ich hier eigentlich war mein Gedanke, als ich mich das erste Mal in den gefühlt viel zu engen Neoprenanzug quetschte und vorsichtig meine Füße in das überraschend frische Wasser steckte. Ich setzte vorsichtig meine Taucherbrille auf, zog die sehr langen Flossen an und stolperte dem Wasser entgegen. Der letzte Taifun war erst ein paar Tage her und so stand noch eine ganz ordentliche Welle. Zum Glück sollten wir an diesem Tag noch nicht richtig tauchen, sondern beim Schnorcheln die Umgebung besser kennen lernen. Die ersten Minuten fühlte ich mich wie ein Fremdkörper im Wasser. Dazu sollte man wissen, dass ich schon als Kind panische Angst vor Wasser in meinem Gesicht hatte. Mich damals unter die Dusche zu stecken, bedurfte der Zusammenarbeit der ganzen Familie: Einer musste mich festhalten, der Nächste hielt die Duschbrause und der Dritte ein paar Waschlappen vor Augen und Ohren. Das mit dem Duschen habe ich jetzt im Griff. Schwimmen habe ich erst mit 9 Jahren gelernt und vom Beckenrand ins Wasser springe ich bis heute nur mit Nase zuhalten. Nicht die besten Voraussetzungen für einen Tauchkurs.

 

Elena-beim-Freediving

 

Meine ersten Freediving Schritte

Am nächsten Tag starteten wir mit ein paar Trockenübungen. Emil forderte uns auf so lange wie möglich die Luft anzuhalten. Ich schaffte das gerade mal 40 Sekunden und Alex 1,20 Minuten. Anschließend gab er uns eine Einführung in die Atemtechnik. Das sogenannte “relaxation breathing” vor einem jeden Tauchgang hilft dem Freediver länger unter Wasser zu bleiben. Am Strand legten wir uns so bequem hin wie möglich und atmeten 3-4 Sekunden ein und 6-8 Sekunden aus und zwar für mehrere Minuten. Mit dieser Technik konnte ich 2,20 Minuten die Luft anhalten. Alex, dieser Teufelskerl schafft mittlerweile unfassbare 4,43 Minuten.
Ein weiteres wichtiges Element beim Freediving ist der Druckausgleich. Auch hier bekamen wir zunächst eine theoretische Einführung. Emil, der perfektes Englisch spricht, konnte uns diese nicht ganz einfach Technik sehr verständlich erklären.
Dann wurde es ernst. Der effektivste Weg mit dem Kopf zuerst hinabzutauchen ist der sogennante „duck dive“. Meine ersten Versuche erinnerten eher an einen sterbenden Schwan und Emil muss sich bei meinem Anblick vermutlich gedacht haben, dass es einfacher wird den Fischen im Meer das Fliegen beizubringen, als mich entspannt unter Wasser zu sehen.

 

Schildkröte

 

Die Begegnung mit mir selbst

Das eigentliche Freediving-Training sah bei uns so aus, dass wir zu viert an einer Boje hingen um dann abwechselnd an einem Seil in die Tiefe zu tauchen. Head first klappte bei mir gar nicht. Kein Druckausgleich und gar keine Entspannung. Mein Kopf wusste eigentlich, dass ich zwei Minuten die Luft anhalten kann, aber durch meine extreme Anspannung und die Angst nicht schnell wieder auftauchen zu können, verbrauche ich einfach viel zu viel Sauerstoff. Sobald ich komplett unter Wasser war ging sofort ein Gespräch zwischen meinem mutigen-Ich und meinem ängstlichen-ich los. „Du kannst das, geh noch etwas tiefer, es kann doch nichts passieren, die anderen passen gut auf dich auf“. Ganz plötzlich stieg ein ungutes Gefühl in mir auf, und ich dachte: „was mache ich hier eigentlich, ich will hier weg, los tauch auf, aber so schnell wie möglich“. Sobald ich dann wieder oben nach Luft schnappte ärgerte ich mich schon über mich selbst: Oh man, wie unnötig, du hättest es doch noch viel tiefer schaffen können. Diese Angstgedanken unter Wasser in den Griff zu bekommen, war mein großes Ziel. Am Ende unserer Zeit auf Romblon habe ich mich bis auf 11 Meter hinab getraut und war dabei sogar halbwegs entspannt. Es war aber ein langer Weg bis dahin mit vielen Stunden Training an Land (Atmung) und im Wasser (Seil).

 

Wasserring

 

Wieso der ganze Stress?

Auch wenn es für mich tatsächlich sehr viel Stress bedeutet hat, war das Freediving eine unfassbar intensive Erfahrung und eine Reise in mein Inneres. Unter Wasser ist man absolut alleine mit sich, seinen Ängsten und Gedanken. Man kann nicht schummeln und sich nicht selbst betrügen.

 

Fazit

Ich habe einen Monat intensiv Freediving auf den Philippinen hinter mir. Einen Monat in dem ich mich von einer neuen Seite kennengelernt habe. Ich bin Emil sehr dankbar, dass er nie die Geduld mit mir verloren hat, immer verständnisvoll war und so viele verschiedene Dinge ausprobiert hat. Es hat sich also wie immer gelohnt die Komfortzone zu verlassen.

 

Weitere Informationen:
Auf der Seite von Dumagat Freedive findest du weitere nützliche Informationen zu dem von mir belegten Kurs. Allgemeine Informationen haben wir in unserem Post Faszination Freediving für dich zusammengestellt.

Hast du noch Fragen zu meinem Freediving Erfahrungsbericht? Schreib mir gerne über die Kommentarfunktion!



'Freediving Erfahrungsbericht einer Wasserscheuen' have 5 comments

  1. 25/02/2015 @ 11:46 Helga

    Dein Bericht hat mir großes Vergnügen bereitet. Toll, dass du das geschafft hast. Ich bin sehr stolz auf dich!

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  2. 01/03/2015 @ 12:39 Burkhard

    Also eigentlich bin ich ja Gerätetaucher, und Du kannst froh sein, dass sie Dich nicht mit Sauerstoffflaschen ins Wasser geschickt habe. Reiner Sauerstoff wird nämlich bei ca. 10m Wassertiefe toxisch. Tatsächlich befindet sich in Tauchflaschen lediglich komprimierte Druckluft oder ein Gasgemisch mit Sauerstoff, Stickstoff und Helium (Trimix), was aber nur Techdiver benutzen, um noch länger unter Wasser bleiben zu können. Wenn Du jetzt bereits Erfahrungen mit Gesicht im Wasser gemacht hast ☺, solltestDu unbedingt einen Tauchgang mit Gerät machen: das Gefühl der Schwerelosigkeit, nur die eigenen Atemgeräusche im Ohr, minutenlang vor einem Korallenriff zu schweben und dem Treiben zuzuschauen, Versuche, mit Fischen um die Wette zu schwimmen und hoffnungslos unterlegen zu sein ………unbeschreiblich!

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    • 01/03/2015 @ 16:40 ElenAlex

      Hallo Burkhard,

      bisher habe ich vor Scuba etwas zurückgeschreckt, weil es mittlerweile so einen Massentourismus drumherum gibt. Wenn ich mal ein einsames Riff mit wenigen Tauchern finde schaue ich mir das Gerätetauchen vll. doch mal an 🙂

      Beste Grüße
      Alex

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  3. 03/04/2015 @ 11:15 Geheimtipp Philippinen: 10 Highlights der Insel Romblon I AUSZWEIT

    […] deine Angst vor der Tiefe oder vor Wasser zu überwinden. Elena hat genau diese Erfahrung im Post Freediving: Erfahrungsbericht einer Wasserscheuen […]

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  4. 10/05/2015 @ 15:54 DNX Digitale Nomadenkonferenz: Highlights & Gedanken

    […] haben es beim Freediving und beim Klettern mit Höhenangst erlebt, beim Kündigen unserer Jobs und beim Quereinstieg in die […]

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