Höhenkrankheit: Symptome, Vorbeugung, Medikamente und Tipps

„S

eid vorsichtig mit der Höhenkrankheit!" war ein gut gemeinter und sich ständig wiederholender Ratschlag einiger Freunde und Bekannter vor unserem Annapurna Trekk. Damit nun alle beruhigt sein können, haben wir uns die Thematik ganz genau angesehen und alle nützlichen Infos zu Symptomen, Vorbeugungsmaßnahmen und Medikamenten zusammengefasst. Das Wesentliche vorab: Wenn man sich vernünftig akklimatisiert (Tipps hierfür unten), auf seinen Körper hört und nicht allzu lange in der Todeszone chillt, ist alles easy *smile.

Wir betonen, dass wir KEINE MEDIZINER sind und nur unser laienhaftes Halbwissen (ergänzt durch eigene Erfahrungen) weitergeben können – sorry for that…

 

Höhenkrankheit: Formen, Symptome, Massnahmen, Medikamente

A ls Höhenkrankheit wird eine Vielzahl von Symptomen bezeichnet, die bei Menschen auf über 2.500m Höhe auftreten können. Sie rührt in allen Fällen von einer Missachtung der Akklimatisierung (s.u.) her. Es wird zwischen 3 Formen der Höhenkrankheit unterschieden:

 

1. Akute Höhenkrankheit

D iese Form tritt am häufigsten auf und betrifft rund 30% der Wanderer auf über 3.000m Höhe (zumindest kurzzeitig). Ausgelöst wird sie v.a. durch einen zu schnellen Aufstieg oder Dehydration (der Körper schwitzt stark; es sollten zwischen 4 und 6 Litern Flüssigkeit zu sich genommen werden)

Die Symptome sind Kopfschmerzen (teilweise wird von einem "drückenden Schmerz im Hinterkopf" berichtet, der sich von gewöhnlichen, stechenden Kopfschmerzen unterscheidet), Kurzatmigkeit, Sehstörungen, Schwächegefühle und Schwindel. Auch berichten Betroffene häufig von einem Gefühl der Gleichgültigkeit, Teilnahmslosigkeit und Unkonzentriertheit. 

Als Gegenmaßnahme genügt eine Pause auf der aktuellen Höhe oder besser noch ein Abstieg (auf die Höhe auf der man sich zuletzt noch wohl gefühlt hat). 

Als vorbeugendes, verschreibungspflichtiges Medikament wird häufig DIAMOX empfohlen, das bei leichten Kopfschmerzen hilft und eine regelmäßige Atmung (v.a. im Schlaf) unterstützt. Zu beachten ist hierbei immer die Verträglichkeit mit anderen Medikamenten (wie etwa Aspirin o.ä.). Weitere Hintergrundinformationen zum Wirkstoff findet ihr hier. Sollten die Kopfschmerzen nicht verschwinden, muss auch mit einem beginnenden Gehrinödem gerechnet werden! 

 

2. Höhenlungenödem (high altitude pulmonary edema, HAPE)

D  as Höhenlungenödem ist eine Steigerung der akuten Höhenkrankheit. Mit steigender Höhe sinkt der Luftdruck und der Sauerstoffgehalt in der Atemluft. Die roten Blutkörperchen, welche für den Sauerstofftransport zuständig sind, können diesen nicht mehr in ausreichendem Maße transportieren, weshalb Organe und Gewebe des Körpers nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Auf diesen Versorgungsengpass reagieren die Blutgefäße der Lunge, indem sie sich zusammenziehen. Findet dieses Zusammenziehen (sog. Vasokonstriktion) der Blutgefäße sehr stark statt, steigt der Gefäßdruck so sehr an, dass es zum Austritt von Flüssigkeit kommt, die sich in den Lungenbläschen ansammelt. 

D

ie Symptome hierbei sind Atemnot, Hyperventilation, eine hohe Herzfrequenz, Reizhusten, Druck auf der Brust, rasselnde Atmung und auch eine Erhöhung der Körpertemperatur. Die ersten Anzeichen können Deckungsgleich mit den Symptomen der akuten Höhenkrankheit sein, die Unterscheidung kann im Einzelfall sehr schwierig werden. Aufhorchen sollte man, wenn eine Leistungsschwäche auch nach einer Pause weiterhin zunimmt. 

E in Lungenödem kann innerhalb weniger Stunden tödlich sein. Als Gegenmaßnahme hilft hier nur ein sofortiger Abstieg, ggf. unterstützt durch eine externe Sauerstoff-Zufuhr und weitere  Medikamente, nähere Infos hier. Das Medikament DIAMOX hilft hier NICHT!

 

3. Höhenhirnödem, Hirnschwellung (high altitude cerebral edema, HACE)

E ine letzte Form der Höhenkrankheit ist das Hirnödem, wobei die Flüssigkeitsansammlung im Gehirn stattfindet. 

A uch hier sind die Symptome ggü. der akuten Höhenkrankheit gesteigert: Es kommt zu sehr starken Kopfschmerzen, Seh- und Hörproblemen, Schwindel, geistiger Verwirrtheit bis hin zur Ohnmacht. 

A ls Gegenmaßnahme hilft auch hier nur ein sofortiger Abstieg. Um in einem hilflosen und desolaten Zustand überhaupt einen Abstieg zu meistern wird das Medikament (im Notfall!) Dexamethason empfohlen, welches die Symptome vorübergehend ausschaltet. Initial sollen 8mg genommen werden sowie weiter 4mg alle sechs Stunden. Weitere Informationen zu diesem Notfallmedikament findet ihr hier.

Ergänzende Infos findet ihr in dieser schönen Übersicht, auf dieser Seite mit einigen Erfahrungsberichten und in einem Merkblatt des Auswärtigen Amtes.

 

 

Welche Risiken erwarten mich in welcher Höhe?

 

1. Indifferenzzone (0 – 2.000 m)

D iese Höhe macht dem menschlichen Organismus nichts weiter aus. Lediglich bei körperlichen Höchstleistungen (Sport, Arbeit) kann es zu unwesentlichen Beeinträchtigungen kommen.

 

2. Zone der vollständigen Kompensation (2.000 m bis 4.000 m)

S Durch den niedrigen Luftdruck und den niedrigen Sauerstoffgehalt in der Luft kommt es bereits in der Ruhephase zu einer Erhöhung der Herzfrequenz. Die Blutdichte erhöht sich durch die vermehrte Bildung von roten Blutkörperchen, d.h. das Blut wird dicker – um dem entgegenzuwirken sollen 4 – 6 Liter Flüssigkeit am Tag zugeführt werden. Die physische und psychische Leistungsfähigkeit ist deutlich reduziert. Auf ca. 2.500 m finden häufig Höhentrainings statt, um die Anzahl roter Blutkörperchen und damit die Kondition zu steigern.

 

3. Zone der unvollständigen Kompensation ( 4.000 m bis  7.000 m)

H ier kommt es auf eine gute Akklimatisierung an. Ohne diese ist mit enormen physischen und psychischen Störungen zu rechnen, bis hin zum Tod.  Die Entscheidungs- und Reaktionsfähigkeit nimmt erheblich ab.

 

4. Kritische Zone ( ab 7.000 m)

H  ier kann eine Akklimatisierung nicht mehr stattfinden. Diverse Körperfunktionen versagen, es kann auch zu vorübergehender Bewusstlosigkeit (Blackouts) kommen. 

 

5. Todeszone ( ab 7.000 m)

H ier kommt es zu diversen und schweren körperlichen Fehlfunktionen, von Schwindel, Übelkeit und Orientierungslosigkeit bis hin zu Bewusstlosigkeit und Tod.

 

Tipps für eine gute Akklimatisierung

D

ie Akklimatisierung an die jeweilige Höhe ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Sie hat insbesondere nichts mit der körperlichen Fitness zu tun. Die Akklimatisierung endet auf einer Höhe von etwa 5.300 m. Darüber hinaus kann keine Erholung von vorangegangen Aufstiegen mehr stattfinden. Entscheidend für die Akklimatisierung ist stets die Schlafhöhe. Eine gelungene Akklimatisierung lässt sich durch diese Grundregeln erreichen:

Tipp 1: Das Nachtlager sollte ab einer Höhe von 2.000 m max. 500 m über dem des Vortags liegen (Climb high, sleep low).

Tipp 2:  4 – 6 Liter pro Tag trinken, kein Alkohol.

Tipp 3: Beim Erkennen erster Symptome direkt rasten oder ein paar hundert Meter absteigen.

Tipp 4: Viele Kohlenhydrate essen.

Tipp 5: Sich einem evtl. bestehenden Gruppendruck entgegensetzen. Entweder die Gruppe richtet sich nach dem "schwächsten Glied" oder man macht alleine Rast / steigt einige hundert Meter ab.



'Höhenkrankheit: Symptome, Vorbeugung, Medikamente und Tipps' has 1 comment

  1. 27/11/2014 @ 4:39 Ausz(w)eit / Annapurna Trek in Nepal: Reisebericht Teil II

    […] Am 8 Tag also ab 3500m bemerkten wir die ersten Probleme mit der Höhenluft. Wir mussten viele Pausen machen, da wir immer kurzatmiger wurden. Auch spürte man die Kilos auf seinem Rücken wieder deutlicher. Um nicht Höhenkrank zu werden, durften wir jede Nacht nur ca. 500 m höher schlafen als die Nacht zuvor (genaueres in unserem Post mit allen Infos rund um die Höhenkrankheit). […]

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