Inle See Boot

Inle See wir kommen: Trekking in Myanmar

Nachdem wir uns schweren Herzens von Bagan und seinen Tempeln verabschiedet hatten, schnappten wir uns unsere Rucksäcke und standen um 7.45h mit deutscher Pünktlichkeit zur Abholung bereit. Als wir um 8.15h das erste mal nach dem Verbleib unseres Fahrers fragten, bekamen wir ein „no Problem, the driver is on his way, normal time“ begleitet von einem breiten Grinsen zur Antwort. Mal wieder hatten wir die burmesische Zeitrechung (entspricht deutscher Zeit plus x, wobei x >= 30 Min beträgt) unterschätzt, mal wieder zum Amüsement der Locals. Die Fahrt über gut ausgebaute Straßen mit Rechtsverkehr ging zügig, auch die immer wieder herandrängenden Frauen mit Lebensmitteln auf den Köpfen – etwa Gemüse oder gebratenen Hühnern – konnten uns nicht aufhalten, sodass wir nach 6h inklusive Essenspause in Kalaw ankamen.

 

Trekking Start in Kalaw

Kalaw liegt auf 1.300m und hat neben einer durch die englischen Kolonialherren erbauten Kirche, einigen kleinen Pagoden und seinem bunten Marktteiben nicht allzuviel zu bieten – mal abgesehen von einem Frisör, der mich mit geübten Handgriffen und großem Frohsinn ordentlich verunstaltet hat.

Von Kalaw aus haben wir nach einigen Mühen unsere 3-tägige Trekking Tour zum Inle See organisiert, nur um am Folgetag zu erfahren, dass sie ausfällt. Die Herren von der A1 Agentur stellten sich nach nettem Erstgespräch als unzuverlässig heraus, also entschieden wir uns für einen 2 Tages Trekk mit Green Discovery einem mäßigen Anbieter. Preislich liegt man bei sämtlichen Agenturen bei 20.000 Kyat (entspricht 20 USD) pro Tag pro Nase, sofern man sich zu zweit einen Trekking Guide teilen muss. Bei Gruppen von 4 bis 6 Personen zahlt man zwischen 12.000 und 15.000 Kyat (12 bis 15 USD) pro Tag pro Nase, auf Preisverhandlungen lassen sich die Einheimischen leider selten ein. Anders als in Nepal kann man diesen Trekk nicht ohne Guide bestehen, da es keinerlei Wegmarkierungen oder Schilder zum Inle See gibt.

 

Vom Auenland, Chillischoten, Wasserbüffeln und einer Schlammschlacht

Die ersten Meter seit dem Annapurna Trekk Abenteuer legten wir mit Leichtigkeit zurück und erfuhren von unserem Trekking Guide mit christlichem Namen Norbert allerhand über Schlangen, Spinnen, Heilpflanzen, saure Früchte, Chillianbau und die unterschiedlichen Volksgruppen der Region. In einer Reihe spazierend, mit Bambus Spazierstöcken ausgestattet, fühlten wir uns wie die Gefährten des Herrn der Ringe, die durchs Auenland marschieren.

Auf einen Tee und Nüsse hielten wir bei einer Weberin, die in einem kleinen Wellblech-Verschlag Stofftaschen in mühevoller Handarbeit über 2 Tage das Stück fertigte, um sie dann fröhlich für 4.000 Kyat (entspricht 4 USD) zum Kauf anzubieten. Diesen Preis hätte man guten Gewissens nur noch nach oben handeln können.

Pünktlich zu unserer Mittagszeit setzte der für diese Jahreszeit für Myanmar typische Platzregen ein. Unsere Nudelsuppe schmeckte im Trockenen gleich doppelt so gut und wir hatten Gelegenheit unsere 6 köpfige, rein europäische Trekking Gruppe kennenzulernen. Gestärkt schlidderten wir über matschige Lehmböden und nasse Bambusbrücken. Nur unsere hölzernen Spazierstöcke hielten das Gesicht dem Boden fern – alles andere war schnell in ein dunkles Rotbraun getaucht (getaucht ist hierbei wörtlich zu verstehen). Die mit der Reisernte befassten Einheimischen belächelten unsere eigenartige Ausrüstung, hatte man barfuß doch den besten Gleichgewichtssinn und keine Probleme mit klammen, stinkenden Schuhen. Die monströsen Wasserbüffel trieben sie lässig vor sich her oder ruhten sich auf deren Rücken aus.

Nach weiteren 3h Schlammbad machten wir uns mit einem Topf bewaffnet auf in Richtung „Dusche“, die aus einer rostigen Regentonne bestand und ihren Zweck bestens erfüllte. Nach dem Abendessen fielen wir wie Steine in die einfachen Betten, in einer auf Stelzen fixierten Bambushütte.

 

Von Spinnen und Frauen im Steinbruch – Auf zum Inle See

Um 7h brachen wir erneut auf, die Müdigkeit des Vortages in den Knochen. Zwischen den Bäumen sahen wir Spinnennetze von mehreren Metern Spannbreite, die von ihren ebenfalls großen Bewohnern in Teamwork gespannt wurden – mit meiner leichten Spinnenphobie war ich nun hellwach. Freundlicherweise posierten die Spinnen in ihrer bevorzugten Hängeformation für uns, ohne sich zu bewegen. Die nächsten Kilometer legten wir gemeinsam mit einer Kuhherde auf einer schmalen Straße zurück und konnten nur knapp einer Keilerei zwischen 2 Bullen entkommen – die lächerlichen Stock-Hiebe der schmächtigen Hirtin konnte die Übeltäter kaum beruhigen. Für Myanmar typisch ist es auch, Frauen schwere körperliche Arbeit verrichten zu lassen, etwa die Bestellung der Felder oder den Bau von Straßen. Den Gipfel sahen wir auf dem Trekk am Wegesrand: eine Gruppe von Frauen schlug mit Spitzhacken und ohne Handschuhe oder festes Schuhwerk Felsbrocken aus einem Steinbruch. Mit ihren kleinen, schmächtigen Körpern konnten sie die Werkzeuge kaum festhalten. Über unsere Obst- und Kuchenreste haben sie sich innerhalb von Sekunden hergemacht, nur um 1 Minute später wieder dieser harten Arbeit nachzukommen.

 

Am größten See Myanmars – Inle See

Am Inle See angekommen faszinierten uns die länglichen Fischerboote, mit denen wir auch nach Nyaungshwe (eine Stadt am Nordufer des Inle Sees, in der die gÜnstigsten Backpacking Hostels zu finden sind) gelangen sollten. Auf der 1h Bootsfart machten wir Halt in einer sog. Zigarrenfabrik, die sich letztendlich als 1 Frau Betrieb entpuppte, in dem mit Tabak, Gewürzen und Holz gefüllte Blätter als Zigarren vertrieben wurden. Der milde Geschmack mit einer Minz-Anis Note überraschte positiv. In strömendem Regen überquerten wir den Rest des Inle Sees und hatten wenig Sinn für die romantischen Einbeinfischer (1 Fuß am Ruder, auf dem anderen stehend). Unsere Trekking Tour in Myanmar beendeten wir ausgekühlt und nass – aber um einige schöne Erfahrungen reicher.

Um den Inle See herum kann man auch vieles erleben. Wir haben uns für eine ausgiebige Radtour entschieden, bei der wir das Westufer hinuntergefahren sind. An einem Viewpoint oberhalb der bekannten heißen Quellen legten wir eine Pause ein, um dann mit dem Boot an das Ostufer des Inle Sees überzusetzen und ein paar Einbeinfischer zu beobachten.

Hast du andere Trekking Routen in Myanmar entdeckt oder ähnliche Erfahrungen gemacht? Ab damit in die Kommentare!



'Inle See wir kommen: Trekking in Myanmar' has 1 comment

  1. 09/12/2014 @ 21:58 Backpacking in Myanmar: 8 Dinge, die du wissen solltest Backpacker blog

    […] immer mehr Touristen nach Myanmar, weshalb man sich beim Besuch der Hauptattraktionen (z.B. Bagan, Inle Lake, Golden Rock, Mandalay) wünscht, vor 10 Jahren hier gewesen zu sein. Durch den wirtschaftlichen […]

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