Meditation: 5 Vorurteile & Klischees

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enn ich Familie, Bekannten und Freunden gegenüber den Begriff Meditation fallen lasse, ernte ich regelmäßig kritische Blicke. Bestenfalls gelingt es mir, die enorm positiven Auswirkungen von Meditation auf Körper und Geist kurz anzureißen, bevor der Gesprächspartner das Thema dezent wechselt oder mich bereits in die Esotheriker-Schublade gesteckt hat… Dabei setzt sich mehr und mehr eine Erkenntnis durch: Menschen, die regelmäßig meditieren, sind zufriedener, friedlicher und gesünder. Und es werden immer mehr. 

Dieser Post soll mit den gängigsten Vorurteilen und Klischees gegenüber der Meditation als (neuro-) wissenschaftlich erforschter Praxis aufräumen:
 

1. "Meditation ist eine religiöse Praxis."

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ugegebenermaßen hat der Anblick eines Meditierenden einiges gemeinsam mit dem eines betenden Christen, Moslem oder Juden. Dennoch ist die Praxis der Meditation eine Art der Fokussierung auf den aktuellen Moment, eine hohe Form der Konzetration, die völlig wertneutral ist und daher von allen Menschen unabhängig von Ethnie oder Religion ausgeübt werden kann. Ich persönlich habe große Vorbehalte gegenüber Glaubenspraktiken, die von Dogmen, festen Riten und Hierarchien geprägt sind und begrüße es sehr, dass es bei der Meditation ausschließlich auf das eigene Erleben ankommt. Natürlich ist Meditation auch etwas für Gläubige aller Art – es gilt der wunderbare Ausspruch "Jeder Jeck ist anders". 

 

2. "Nur Asiaten, Esotheriker und Hippies meditieren."

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icht ganz richtig… Witzigerweise ist der Ruf nach Entschleunigung besonders an dem Ort besonders laut zu vernehmen, der uns durch permanente digitale Errungenschaften ein effizienteres (und schnelleres) Leben beschert hat – im Silicon Valley. Einige der bekanntesten Gründer aus dem Valley befassen sich intensiv mit den Themen Meditation und Entschleunigung: So waren etwa Tony Hsieh, CEO, Zappos.com (das amerikanische Zalando), Evan Williams, Co-Founder twitter.com und Arianna Huffington, CEO Huffington Post ebenso wie Vertreter des Top-Managements von Facebook, LinkedIn und Ford Speaker auf der Wisdom 2.0 – einer Konferenz zum Thema Mindfulness. Auch Steve Jobs, Founder Apple reiste monatelang durch Indien, war begeisterter Meditierender und wurde sogar von einem buddhistischen Zen Priester getraut. Der Tech Riese Google beispielsweise bietet seinen Mitarbeitern das Seminar "Search Inside Yourself" an, mit dem erklärten Ziel Emotionen in stressigen Situationen bestmöglich steuern zu können. 

Eine Erklärung für die Meditations-Affinität der Technologie Industrie mag sein, dass viele ihrer Gründer von der Hippie Kultur geprägt wurden. Dennoch werden die Meditations-Praktiken in dem erfolgs- und datengetriebenen Umfeld häufig mit dem Ziel der Selbst-Optimierung und zur Steigerung der Produktivität eingesetzt. In meinen Augen ist dies ein netter Nebeneffekt, der Fokus sollte aber auf der Entwicklung einer ausgeglichenen und empathischen Persönlichkeit liegen, die das eigene Wohlbefinden und das anderer verstärkt.  

Einen sehr guten TED Talk zum Thema findet ihr hier:

Tipp: Wer das Video mit deutschen Untertiteln bevorzugt, wird hier fündig, einfach unter Subtitles rechts unten "deutsch" wählen.

 

3. "Für Meditation braucht man viel Zeit und einen ruhigen Ort in der Natur."

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ie Meditationsübungen sind völlig unabhängig von Ort und Zeit. Clint Eastwood beispielsweise behauptet von sich, seit 30 Jahren regelmäßig zwei mal am Tag für 20 Minuten zu meditieren, was schon recht ambitioniert ist. Besonders als Meditations-Neuling fällt es einem besonders schwer, sich auch nur 2 Minuten auf das Meditionsobjekt (etwa den eigenen Atem) zu konzentrieren, ohne dass die Gedanken abschweifen. Nach eigener Erfahrung können auch kurze Einheiten von lediglich 15 Minuten starke Auswirkungen auf das eigene geistige und körperliche Wohlbefinden haben – probiert es aus. 

Auch der Meditationsort spielt keine große Rolle. Natürlich ist es wunderbar, wenn man sich an ein schönes Seeufer oder mitten in den Wald setzen kann um zu sich zu kommen. All dies ist aber nicht immer möglich und auch nicht notwendig. Ich selbst setze mich sehr gern im Wohnzimmer auf meine Iso-Matte, nehme die Uhr ab, schalte Laptop und Handy aus und versuche mich auf das Objekt zu konzentrieren. 

 

4. "Meditation geschieht in Gemeinschaft und man vertraut sich einem Guru an."

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icherlich gibt es kostenpflichtige Angebote von Organisationen, bei denen man das Meditieren erlernen kann, bestimmt auch mit schönem Ambiente und gutem Essen – gegen nur einen kleinen Aufpreis, versteht sich… Von derartigen Angeboten halte ich persönlich allerdings nicht viel. Mit ein wenig grundlegender Literatur lassen sich einfache Übungen schnell erlernen und man kommt peu à peu zu ersten Erfahrungen, ganz ohne teuren Guru. Meditation kann man nur am eigenen Geist erfahren und lediglich bestimmte Techniken erlernen

Natürlich kann das meditieren in einer Gruppe von Freunden ein besonderes Erlebnis sein, wie Elena auf Bali erfahren durfte:

Monks Bali 960x350


 

5. "Die Wirkungen von Meditation sind wissenschaftlich nicht belegbar."

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eit einigen Jahrzehnten befassen sich vor allem Neurowissenschaftler mit dem Thema und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass sich bestimmte Hirnregionen durch die Praxis der Meditation stark verändern. Auch kann das Meditieren das Immun- wie auch das Herzkreislaufsystem stärken, Schmerzen lindern und den Stress-Pegel reduzieren. Genaueres zu diesem großen Thema folgt in weiteren Posts, schließlich nutzt ich die Reise auch, um mich näher damit auseinanderzusetzen. 

Sehr empfehlen kann ich aber die Arte Reportage Mönche im Labor – Neurowissenschaften entdecken die fernöstliche Meditation:


Ich hoffe mit diesem Post einige Vorurteile verworfen zu haben, freue mich aber über weitere in euren Kommentaren 🙂



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