Phnom Penh Vogelperspektive

Phnom Penh in 24 Stunden: Die Stadt der Gegensätze

Für Phnom Penh, die Hauptstadt Kambodschas, blieben uns 24h Zeit. Auf einem langen Spaziergang und einer Tuk Tuk Fahrt nahmen wir alle Eindrücke in uns auf, bevor es am nächsten Tag zu den erschütternden Killing Fields von Choeung Ek ging.

 

Spaziergang durch Phnom Penh


Getreu unseren 10 Tipps für asiatische Megacities haben wir uns zunächst ein hohes Gebäude ausgeguckt, in diesem Fall eine Mall, um vom Dach einen ersten Eindruck von Phnom Penh zu bekommen.

Vogelperspektive-auf-Phnom-PenhDie Stadt pulsiert, ist voller Leben und führt schnell zur Reizüberflutung aller Sinne. Blumen, Häuserfassaden, Essens- und Kleiderstände, mobile Frisöre aber auch brennende Müllhaufen beschäftigten neben der staubigen Luft die Augen. Die Nase war zeitweise mit Abwasser- und Müllgeruch beschäftigt, ebenso mit dem Duft frischer Gewürze, Fisch oder Benzin. Auf die Ohren gab es kambodschanische Pop-Klänge, die aus alten Lautsprechern am Straßenrand plärrten und das Knattern der vielen Motorroller und Tuk Tuks nur zeitweise überlagern konnten.Phnom-Penh-Verkehr Dennoch hörte man trotz regen Verkehrs nur vereinzeltes Hupen und keinerlei Flüche, die Verkehrsteilnehmer in Phnom Penh wirkten sehr friedlich und ausgeglichen – im Gegensatz zu anderen asiatischen Metropolen. Auch der Kontakt mit den Bewohnern Phnom Penhs war sehr offen und freundlich. Man hatte zu keiner Zeit das Gefühl lediglich als wandelnder Dollarschein wahrgenommen zu werden (wie z.B. in Angkor Wat). Die wenigen Einheimischen zu denen wir Kontakt hatten sprachen hervorragendes Englisch

Phnom-Penh-unterschiedliche-weltenVom Einkaufszentrum fuhren wir per Motorrad (zu dritt, es wäre noch Platz für mind. 2 weitere Fahrgäste gewesen *smile) zum Wahrzeichen Phnom Penhs, der Stupa Wat Phnom, die aber im Vergleich zu den Tempeln Bagans (Myanmar) eher schlicht wirkt. Auf dem Rückweg gingen wir an einem Gebäude vorbei, das die City von Phnom Penh dominiert: Der Vattanac Capital Tower steht in krassem Widerspruch zu den ärmlichen Behausungen vieler Stadtbewohner. Aus dem Gebäude kamen fein angezogene Herrschaften gestolpert, die so gar nicht mit den Gemüsehändlern und Straßenverkäufern harmonierten.

 

Das Killing Field von Choeung Ek


Phnom-Penh-Killing-Fields-SchreinPhnom Penh hat eine bewegende und grausame jüngere Geschichte. Nach der französischen Kolonialzeit 1904-1941 und der Eroberung Kambodschas durch die Japaner (1941-1945) litt Kambodscha unter dem Vietnamkrieg: Ab 1969 bombardierten die Amerikaner die kambodschanisch-vietnamnesische Grenze, wo sie Verstecke der Vietcong Guerilla vermuteten. So war die Bevölkerung Phnom Penhs erleichtert als am 17. April 1975 die roten Khmer die Kontrolle über das Land gewannen. Die Freude hielt nicht lange an: innerhalb weniger Tage wurde die gesamte Stadtbevölkerung evakuiert und auf das Land deportiert, um einen Arbeiter- und Bauernstaat zu errichten. Familien wurden auseinander gerissen, Krankenhäuser, Schulen und Klöster geschlossen. Unter den Roten Khmer wurden 3 Millionen Kambodschaner (von insgesamt 12 Millionen) systematisch ermordet. Besonders betroffen waren das Bildungsbürgertum (Ärzte, Anwälte, Ingenieure, Lehrer), Kaufleute und religiöse Menschen (auch buddhistische Mönche) und deren Familien. Das Tragen einer Brille oder das Beherrschen einer Fremdsprache galt als „Verbrechen“ und wurde mit dem Tode bestraft.

 

Nicht-auf-Knochen-tretenDer Besuch vom Killing Field Choeung Ek war emotional sehr herausfordernd. Mit Hilfe eines Audioguide wurden wir durch die verschiedenen Bereiche der Anlage geführt. Der Eintrittspreis beträgt 6 US$, inklusive Audioguide. Tiefere Einblicke gaben vor allem die Berichte von Überlebenden oder Tätern, die Jahre später teilweise vor Gericht gestellt und wegen Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt wurden. An diesem Ort laufen einem unaufhörlich Schauer über den Rücken. So kommen überall auf dem Gelände weitere Knochen- und Kleiderreste zum Vorschein, die während der Regenzeit an die Erdoberfläche der Massengräber gelangen.Killing-Tree Überall befinden sich Schilder mit der Aufschrift “Don’t step on bones” (Bitte nicht auf Knochenreste treten). Da Munition für die Exekutionen zu kostspielig war, wurden die Opfer allesamt von Hand getötet – mit Äxten, Beilen, Hämmern; Kleinkinder wurden am sogenannten Killing Tree (Tötungsbaum) erschlagen oder in die Luft geschleudert und von Soldaten mit Macheten aufgespießt. Das Ende der Führung bestand aus der Besichtigung eines 17-stöckigen Schreins, der bis oben hin mit Gebeinen der Opfer gefüllt ist. Man kann deutlich die großen Löcher und Risse in ihren Schädeldecken erkennen, die bei den Exekutionen entstanden sind.

 

Fazit Phnom Penh in 24h


Phnom Penh ist eine beeindruckende Stadt der Gegensätze zwischen arm und reich, in der man als Europäer sehr gut zurecht kommt. Trotz der verstörenden Eindrücke empfehlen wir den Besuch der Killing Fields unbedingt, um die Historie Kambodschas und Phnom Penhs besser zu verstehen.

 

Phnom-Penh-Strassenbild

 

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