Reisefotografie: 10 Tipps, Dos & Don’ts

Fotos können Glücksmomente einfangen und Erinnerungen für ein ganzes Leben transportieren. Andererseits spielt sich Reisefotografie auf einem kleinen Bildschirm ab. Der tatsächlich erlebte Moment bleibt häufig auf der Strecke. In fremden Ländern herrschen oft andere soziale Strukturen, Religionen, Aberglaube und wirtschaftliche Rahmenbedingungen – alles muss beim Fotografieren berücksichtigt werden, wenn man sich nicht unnötig in Gefahr begeben möchte. Hier gibt’s 10 Tipps für tolle Fotos ohne Trouble und ein Leben im Moment.

 

#1 Konzentriere dich 5 Min. auf alle Sinne, bevor du die Kamera zückst

Häufig hast du einige Strapazen und Kosten auf dich genommen, um überhaupt erst zu der Sehenswürdigkeit zu gelangen. Dort angekommen bist du meist nicht allein, sondern teilst dir den Ort mit bestenfalls einigen anderen Touristen – schlimmstenfalls sieht es so aus wie hier:

Touri-Terror-Luang-Prabang

 

In jedem Fall hilft es, sich 5 Minuten Zeit zu nehmen, um den Ort mit allen Sinnen zu erfassen und den Moment zu leben.

 

Schau dich um: was siehst du? Dabei kannst du dich auch auf die Details konzentrieren, bspw. welche Steinmetzarbeiten an den Tempelwänden vorgenommen wurden; Pinselstriche auf einem Gemälde; Motive vor dem Sonnenuntergang – etwa Fledermäuse die am Horizont umherschwirren etc.
Atme tief ein: was riechst du? Bspw. die Pflanzenwelt, Gräser Blumen, Sümpfe um die Tempelanlagen herum; Putzmittel, Gewürze vom Straßenverkäufer nebenan etc.
Schließ die Augen einen Moment und fühle: Welche Temperatur herrscht um dich herum? Ist es windig, schwül, trocken usw.?

 

Hast du dich in diesen 5 Minuten gut konzentriert, ist der Besuch des jeweiligen Ortes fest in dir verankert und du wirst dich vielleicht dein Leben lang daran erinnern. Die Fotos, die du dir später von dem Ort anschaust können vielleicht sogar die alten Sinneswahrnehmungen wieder aufflackern lassen.

 

#2 Wähle dein Motiv sorgsam aus

Schon bei der Auswahl deines Motivs solltest du dir einen Gedanken Zeit nehmen. Einfach blind drauflos zu fotografieren geht zwar schnell, wird dir aber keine besonderen Fotos bescheren. Um besondere Motive zu finden kannst du z.B.

  • exotische Perspektiven wählen
  • eine besondere Lichtsituation nutzen (früh morgens oder in der “golden Time” kurz vor Sonnenuntergang)
  • mit den Einstellungen deiner Kamera spielen, bevor du abdrückst
  •  

    Weitere Infos zur Auswahl besonders guter Motive findest du auf Besserfotografieren und Foto-How-To .

     

    #3 Porträts und Fotos von Personen: Erst fragen, dann abdrücken

    In manchen Kulturkreisen wird es als herablassend und beleidigend empfunden, wenn man einfach Fotos von anderen Menschen macht. Daher solltest du hier immer zuerst um Erlaubnis fragen.

     

    Besondere Vorsicht solltest du auch beim Thema Fotografieren von Kindern walten lassen. Wenn du dich gemeinsam mit ihnen fotografieren lässt, vermeide es den Kopf des Kindes dabei zu berühren: Der Kopf ist in vielen Kulturen heilig und dessen Berührung kann als Beleidigung aufgefasst werden.

    Reisefotografie-Kind

    Das Fotografieren von Mönchen ist in den meisten Ländern möglich, allerdings müssen Frauen hier besonders sensibel sein. Mönche zu berühren ist ein Tabu, dass du auf keinen Fall brechen solltest. Auch muss es nicht sein einen Mönch beim Gebet aus nächster Nähe abzulichten.

     

    Tipp: In ländlichen Regionen kommen die Menschen selten mit Technologie oder auch Kameras in Berührung. Tu den Einheimischen einen Gefallen und zeig ihnen ausgiebig die Fotos, die du von ihnen (oder auch vorher schon auf Reisen) gemacht hast. Das macht irre Spaß!

     

    #4 Tempeln und heilige Stätten vor der Linse: Reisefotografie mit Respekt

    Je nachdem wo du unterwegs bist, kann es vorkommen, dass besondere Gebühren für das Fotografieren von heiligen Stätten erhoben werden – oder Fotos und Videos generell verboten sind. Besondere Vorsicht solltest du auch bei der Fotografie von Bhudda Statuen walten lassen: Sofern sich auf dem Bild auch Personen befinden, müssen diese unbedingt in Richtung der Buddha Statue schauen. Alles andere wird als Beleidigung Bhuddas verstanden, weil er mit dem Menschen “auf eine Stufe” gestellt würde. Auch dürfen die Personen auf dem Foto nicht mit den Fußsohlen auf die Bhudda Statue zeigen: Füße gelten in vielen Kulturen als der unreinste Körperteil und jemandem die Fußsohlen zuzukehren gilt als beleidigend.

     

    Das Besteigen von heiligen Stätten oder Figuren ist ebenfalls ein Riesen-Tabu und sollte unbedingt vermieden werden. Sollte. Boris Becker hat gezeigt wie man mit Anlauf in dieses Fettnäpfchen springen kann.

     

    Auch solltest du an heiligen Orten mindestens knielange Kleidung tragen und die Schultern bedeckt halten. Hier hat eine Gruppe junger Teenies gezeigt, dass auch Nacktfotos in den heiligen Tempeln von Angkor Wat möglich sind. So respektlos wird hoffentlich niemand mehr sein. Die Tempel von Angkor Wat sind auch ohne Nacktfotos eine Reise wert

     

    #5 Sei konzentriert bei der Tierfotografie

    Schlangen, Spinnen, Löwen und Elefanten sind zwar nicht immer die besten Freunde des Menschen, bieten aber häufig ein tolles Fotomotiv. Hier solltest du dich sehr langsam bewegen und nicht zu nah an die Tiere herangehen, um sie nicht zu verschrecken. Wenn möglich frage vorher einen Einheimischen wie du die Tiere am besten fotografieren kannst, ohne dass es Tote und Verletzte gibt.

     

    Tierfotos-Schlange-Ghekko
    Tipp: Wir haben selbst mal eine Schlange aus nächster Nähe beim Verzehr eines Ghekkos fotografiert – ein abenteuerliches Erlebnis. Beim Fotografieren waren wir so sehr auf die Kamera fokussiert, dass wir kaum bemerkt haben wie nah wir ihr gekommen sind. Während der Nahrungsaufnahme ist die Schlage besonders verwundbar und schreckhaft, sodass sie plötzlich einen Satz von 1m gemacht hat. Bleibt konzentriert, sowas kann auch schnell in die Hose gehen…

     

    #6 Augen auf bei der Unterwasserfotografie

    Unterwasserfotografie ist ein Thema für sich – die Bedingungen sind extrem schwierig und wirklich gute Fotos bekommst du als Anfänger in den seltensten Fällen. Du solltest es mit viel Tageslicht und kurzen Belichtungszeiten versuchen und beim Auslösen die Luft anhalten um nicht (noch mehr) zu verwackeln. Nach dem Shoot kannst du das ganze Equipment mind. 30 Min. lang in ein Süßwasserbad legen, damit sich keine Salzkristalle bilden.

     

    Im Wasser hast du durch deine Tauchmaske eine verzerrte Sicht und kannst Distanzen sehr schlecht einschätzen, was sich auch in den Fotos niederschlägt. Besonders an Riffen und Felsformationen unter Wasser solltest du neben dem Kameradisplay unbedingt deine Umgebung im Auge behalten, um nichts zu berühren oder dich plötzlich einem größeren Tier gegenüber zu sehen.

    Seestern-Romblon

    Hier gibt’s weitere Infos zum Thema Unterwasserfotografie

     

    #7 Zu viele Fotos machen nur Arbeit

    Ja, die modernen Kameras mit digitalem Speicher sind verlockend. 10 Fotos mehr oder weniger machen keinen Unterschied, stimmt. Aber: hinterher wirst du für jedes Motiv nur max. 1,2 Fotos auswählen – wer soll sich denn diese vielen Bilder ansehen!? – was manchmal zur berühmten Qual der Wahl führt. Wir sind sehr gut damit gefahren pro Motiv maximal 3 Fotos zu schießen und den Rest direkt zu löschen. Fotos mit denen du nicht zu 100% zufrieden bist solltest du ebenfalls direkt löschen, sie verschwenden nur Speicher und Zeit.

     

    #8 Fotografiere unauffällig

    In manchen Orten kann es gefährlich werden, sich als Tourist zu outen und gleichzeitig jedem zu zeigen, was man für eine wertvolle Kamera dabei hat – besonders in Großstädten mit einem großen arm-reich Gefälle (etwa in Manila). Versuch daher dich zu kleiden und zu bewegen wie die Einheimischen, um nicht ganz so sehr aufzufallen. Zücke deine Kamera nur, wenn du dich sicher in deiner Umgebung fühlst und halte vorher schon nach Fluchtwegen Ausschau. Falls du wirklich mal in Bedrängnis kommen solltest gib dem Dieb alles was er haben möchte – dein Leben ist mehr wert als gute Fotos…

     

    #9 Lass das mit den Selfies sein

    Bitte, bitte, bitte. Das ist etwas für Teenies ohne Selbstbewusstsein oder verrückte Asiaten. Wer schaut sich all diese verwackelten Bilder denn bloß an?

    Wenn du ein Teenie ohne Selbstbewusstsein oder ein verrückter Asiat bist, haben wir, haben wir diese super tolle Selfie-Stange für dich. Viel Spaß damit! *smile.

    Selfie-peinlich

    #10 Sei experimentierfreudig

    Reisen dienen auch dazu die eigene Komfortzone zu verlassen und Neues zu entdecken. Wie wäre es mit abgefahrenen Fotomotiven, die sonst keiner im Blick hat? Durch Zufall haben wir immer wieder Baumaschinen an den absurdesten Orten entdeckt und mussten dabei irgendwie an Bob den Baumeister denken und sie festhalten.

    Reisefoto-Kran

    Was sind deine Erfahrungen zum Thema Reisefotografie? Teile sie gern in den Kommentaren!



    'Reisefotografie: 10 Tipps, Dos & Don’ts' have 5 comments

    1. 19/04/2015 @ 22:09 Franzi

      Toller Artikel und viele gute Tipps, vielen Dank! Besonders den ersten sollte ich mal ein bisschen mehr verinnerlichen. Ich komme auch oft total gehetzt an irgendeinem Ort an und knipse dann planlos drauf los 🙂 LG Franzi

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      • 22/04/2015 @ 12:12 Alex

        Hi Franzi,
        So geht es wohl den meisten. Und am Ende hat man viele doppelte Fotos und gar keine richtige Erinnerung an den Moment selbst – die meisten Orte sieht man nur 1x im Leben..

        Save and Slow travels 🙂
        Alex

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    2. 17/05/2015 @ 22:03 Ralph

      …schön beschrieben…
      und: JA – trotz des Fotografierens sollte man das Objekt der Begierde aufnehmen und genießen…
      Die Erinnerung kann einem keiner nehmen…

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    3. 06/02/2016 @ 20:27 Jonas

      Finde den Artikel auch ziemlich gut gelungen 🙂

      Vor allem das mit der Tierphotographie sollte man echt nicht unterschätzen. Als ich vor ein paar Jahren in Australien die Ostküste herunter gereist bin, wollte ich mal einen wildlebenden Kasuar photographieren. Nachdem ich ziemlich nah herangegangen bin und das Photo gemacht hatte, fing der plötzlich an, auf mit loszurennen. Ich kann mich nicht erinnern jemals schneller gerannt zu sein.

      Als ich dann nochmal nach Kasuaren gegooglet habe, gab es Quellen, die meinten, dass Kasuare die gefährlichsten Vögel der Welt sind und sogar schon Menschen durch Angriffe gestorben sind. Das Exemplar, das ich photographieren wollte, fühlte sich wohl durch meine blaue Kleidung provoziert.

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    4. 01/03/2016 @ 5:46 Sebastian

      Das mit der „5 Minuten Regel“ ist eine echt gute Idee! Und sollten sich manche Menschen mal zu Herzen nehmen. Ich mache manchmal überhaupt kein Foto, und genieße den Moment einfach für mich, das Bild im Kopf verschwindet nicht, die Bilder auf der Fesplatte aber irgendwann im hintersten Ordner! Auf die Wahl der Kamera sollte man noch achten, ist es gut mit einer Nikon d800 und einem übergroßen Tele rum zu laufen? Eher nicht, viel zu schwer und auch absolut nicht auffällig. Leider schon viel zu oft gesehen.

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