Porter Nepal Wasserfall

Trekking in Nepal: Guide, Porter oder doch auf eigene Faust?

Wie viele andere Trekker und Traveller haben wir uns vor unserem Annapurna Trekk in Nepal diese Fragen gestellt:

 

  • Brauchen wir einen Guide, Porter (Träger) oder Porterguide?
  • Wie finden wir einen Trekking Guide oder Porter? Über eine Agentur, eine Plattform, einen privaten Kontakt?
  • Bei unseren Recherchen sind wir auf ein schwerwiegendes gesellschaftliches Problem gestoßen: Um als Dienstleister im nepalesischen Trekking-Geschäft mitmischen zu können, ist man eigentlich verpflichtet seine Leistungen über eine Agentur anzubieten, welche einen minimalen Versicherungsschutz bietet. Wie wir erfahren haben behalten die Agenturen aber den Großteil des von den Touristen gezahlten Geldes selbst ein – für ihre Vermittlungs“arbeit“. Die Guides und Porter werden auf nepalesischem Lohnniveau vergütet und es fehlt ihnen meist an allem: sie haben weder Equipment noch ausreichende Kleidung und die Porter sind zudem vollkommen überlastet, teilweise mit 50kg Gepäck auf den schmalen, ausgemergelten Schultern…

    Falls ihr in einer ähnlichen Situation stecken solltet wie wir vor unserem Nepal Trip, hier unsere Gedanken dazu als kleine Entscheidungshilfe:

     

    Vor- und Nachteile bei der Buchung von Portern und Trekking Guides


    Nachteile

    Vorteile

    Der eigene Transport zwingt einen zum Minimalismus. Es gibt einem große Befriedigung alles tragen zu können, was man zum Leben braucht.

    Wer körperlich nicht ganz fit ist, etwa ältereTrekker, sollte nicht auf einen Porter verzichten – der Trekk wird auch mit leichtem Gepäck anstrengend genug.

    Die Agenturen halten die Porter häufig wie moderne Sklaven. In Flip Flops und ohne Equipment schleppen sie ungeheures Gewicht auf ihren spindeldürren Körpern und bekommen dafür einen Hungerlohn (auch für nepalesische Verhältnisse). Außerdem setzen die Agenturen ihr Personal zeitlich stark unter Druck – wer die vorgegebenen Zeitpläne nicht einhält wird nicht entlohnt. Dieser Punkt war sicherlich auch einer der Gründe für das Ausmaß der Katastrophe am Thorung La Pass.

    Porter und Guides sind auch vor Ort in Nepal noch ausfindig zu machen – hier kann man direkt sehen, ob man sich menschlich versteht. Die Nepalesen sind sehr gut organisiet, jeder Guesthouse Betreiber hat Guides und Porter im Bekanntenkreis. Siehe unsere Empfehlungen hierzu unten.

    Es ist schwierig Guides / Porter zu finden, die menschlich gut zu einem passen. Aufdringliche und höchst redselige Guides können das Naturerlebnis schnell zunichte machen. Seid euch im Klaren darüber, dass ihr diese Menschen 24/7 um euch habt.

    Auch mit einem Porter kann man verantwortungsvoll trekken. Gebt dem Porter nicht mehr als 25kg Gewicht zu tragen und sein Job bleibt menschlich.

    Es ist nicht einfach Guides zu finden, denen man zu 100% vertrauen kann. Wir haben Szenen erlebt, in denen der Guide gegen den Willen der Touristen nach 3h Wanderung in einem Guesthouse einkehren wollte – vermutlich weil er hier eine Provision bekam.

    Von dem richtigen Guide kann man sehr viele Hintergründe über das Land Nepal erfahren und gelangt auf einfachem Weg definitiv an Informationen, die einem ohne engeren Kontakt vorbehalten bleiben würden.

    Auch ohne Guide ist es möglich mit einheimischen ins Gespräch zu kommen. Ca. 30% der Trekker haben einen Guide dabei. Wer offen und kontaktfreudig ist kommt kaum drum von den Einheimischen viel über das Land Nepal zu erfahren.

     

    Unsere Trekking Guide Empfehlungen


    Während unseres 30 tägigen Nepal-Aufenthaltes haben wir zwei Einheimische kennen- und lieben gelernt, die beide als Trekking Guides arbeiten und beide einen verantwortungsbewussten Umgang mit ihren Portern (Trägern) pflegen. Solltet ihr einen Trekk in Nepal planen, zögert bitte nicht uns zu den beiden auszufragen und die beiden vorab zu kontaktieren.

     

    Raju – Unser treuer Trekking Guide auf dem Annapurna Circuit

    Raju Nepal Trekking


    Den 2-fachen Familienvater Raju hatten wir über 1 Woche lang Tag und Nacht um uns. Er ist der beste Guide den wir persönlich uns vorstellen können: extrem zuvorkommend, bescheiden, ehrlich, optimistisch, aufopferungsvoll und verantwortungsbewusst. Er hat Social Sciences studiert (BA) und spricht außergewöhnlich gutes Englisch. All unsere Fragen zur Kultur und Historie Nepals hat er in aller Breite und Tiefe beantwortet – wir hatten spannende Diskussionen mit ihm. Die Annapurna Region und auch Mustang kennt er wie seine Westentasche. In der Off Season bestellt er in seinem Heimatdorf nahe Pokhara die Felder und widmet sich der Dichtung (auch auf englisch). Hier findet ihr Rajus Facebook Profil

     

    Badhra – Betreiber des Trekkies Guesthouse und Social Entrepreneur

    Badhra Nepal Trekking


    Auch Badhra – ebenfalls 2-facher Familienvater – ist uns in unserer Zeit im Trekkies Guesthouse in Pokhara ans Herz gewachsen. Er hat viele Jahre als Porter (Träger) gearbeitet und diskutiert sehr gern mit Touristen über kulturelle, politische und wirtschaftliche Parallelen wie Unterschiede der jeweiligen Länder zu Nepal. Als einer von sehr wenigen Nepalesen hatte er die Möglichkeit mehrere Monate in Europa zu leben, was sein Weltbild und die Perspektive auf Nepal stark geprägt hat. Badhra ist in Pokhara vernetzt wie kein zweiter und beschafft einem innerhalb von Sekunden alles was man braucht – Ersatzunterkünfte für Bekannte, ein Taxi oder Trekking Equipment auf den letzten Drücker. Wenn er nicht gerade als Trekking Guide in Nepal arbeitet oder das Trekkies Guesthouse schmeißt, engagiert er sich sehr stark für soziale Projekte. Aktuell steht die Ausstattung einiger Bergdörfer im Himalaya mit solarbetriebenen Generatoren im Fokus, die er gemeinsam mit der Organisation Helping Hands Nepal voran treibt.

     

    Ihr habt eigene Erfahrungen mit Trekking Guides in Nepal gemacht oder möchtet mehr über Raju und Badhra erfahren? – Nutzt die Kommentare!



'Trekking in Nepal: Guide, Porter oder doch auf eigene Faust?' have 10 comments

  1. 06/02/2015 @ 5:02 Florian

    Das mit den Trägern ist teilweise echt unmenschlich. Ich habe im Langtang Träger gesehen, die waren barfuß unterwegs mit superschweren Gewichten. Warum keine Esel eingesetzt werden? Menschen sind günstiger…

    Andererseits ist das für viele Locals die einzige Möglichkeit überhaupt Geld zu verdienen. Gerade die Träger, die für Touristen arbeiten haben es ja noch mit am besten, wobei manche Touristen anscheinend ihren ganzen Hausrat mitnehmen und dann einen Porter engagieren.

    Wie man es dreht und wendet, man kann es eigentlich nur falsch machen. Ich selbst bin mit dem Fahrrad über den Thorong La gefahren und hatte deswegen gar keine Wahl als alles selbst auf dem Buckel zu tragen.

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    • 06/02/2015 @ 5:06 Florian

      Achja, das krasseste war ein Tourist im Langtang. Er hat einen Tagesausflug zum Gosainkunda See gemacht, kam aber Abends zurück zur gleichen Hütte. Trotzdem hat er seinen Porter den ganzen Weg mit Gepäck mitlaufen lassen und wieder zurück.

      Als wir in fragten warum? Er bezahlt ja schließlich für ihn! (6 Euro am Tag)

      Zum aus der Haut fahren!

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      • 06/02/2015 @ 16:40 ElenAlex

        Oh man, das ist menschenverachtend. Man kann nur hoffen, dass solche Menschen irgendwann von selbst zur Einsicht kommen, gut Zureden wird da nicht mehr helfen. vg Alex

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    • 06/02/2015 @ 16:38 ElenAlex

      Hi Florian,

      das Thema ist in der Tat komplexer. Wir haben Stories gehört, in denen die Touristen „schöne Steine“ auf dem Annapurna Trekk gefunden haben und die Porter diese schleppen mussten. Wenn man sich nicht zu 100% sicher ist, ob die Träger vernünftig behandelt, ausgerüstet und bezahlt werden, sollte man sich am besten jmd. vor Ort schnappen und diese Themen selbst in die Hand nehmen. Ist nicht allzu schwer und macht den Trekk zu einem nachhaltigen Erlebnis.

      Mit dem Rad? Crazy!! Downhill muss dann allerdings gerockt haben 😉

      Beste Grüße
      Alex

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      • 06/02/2015 @ 16:47 Florian

        Steine schleppen…

        Downhill nach Manang war geil. 😉
        Der Uphill von Muktinath zum Thorong La war aber ne krasse Schiebepassage.

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  2. 23/03/2016 @ 9:47 Patrick

    Hallo Auszweit,
    ich wollte mich mal kurz bedanken, da ihr mir mit euren ganzen Infos zum Annapurna-Trekking echt die Planung erleichtert habt. Besonderen Dank aber für die Empfehlung von Raju als Guide. Ich habe mit ihm letzten Monat den ABC-Trek gemacht und war einfach nur super zufrieden mit ihm. Was fürn guter Typ! Also nochmal vielen Dank an Euch und gleichzeitig auch ein bisschen Werbung für einen wirklich guten Guide, um diese schöne Gegend besser kennenzulernen.

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    • 30/05/2016 @ 19:48 ElenAlex

      Und noch ein zufriedener Kunde, der über uns auf Raju aufmerksam geworden ist – das freut uns ungemein! Wir lieben Raju auch 🙂 LG

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  3. 24/03/2016 @ 21:25 Franziska Deimling

    Vielen Dank für eure Guide- Empfehlung! WIr kommen gerade von einer tollen Nepalreise zurück, waren für 10 Tage mit Raju unterwegs nach Poon Hill und zum Annapurna Base Camp und hatten einen tollen Trek! Weil es schon unsere zweite Reise nach Nepal war haben wir dieses Mal beschlossen, den Guide wenn irgendwie möglich nicht über eine Agentur zu engagieren und es hat problemlos geklappt! Wir hatten eine gute Zeit zusammen, Raju hat uns mit den Formalitäten geholfen (TIMS, Permit), uns wenn nötig beim Laufen motiviert oder Pausen eingeplant, uns viel über Land und Leute erzählt und uns mit seiner lockeren und lustigen Art den Trek zum ABC zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht!

    Ich selbst hab mit ihm vorab auf Facebook geschrieben- aber hier gibts noch weitere reviews:
    https://www.tourhq.com/index/reviews/NzQzMQ==

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    • 30/05/2016 @ 19:47 ElenAlex

      Hi Franziska,

      es freut mich ganz extrem, dass ihr eine tolle Zeit mit Raju hattet 😀 Grandios.

      Alles Gute & weiterhin gute Reise!

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  4. 20/09/2016 @ 17:52 Phototravellers.de

    Hey,

    danke für den informativen Artikel, bei uns geht es im Frühjahr 2017 nach Nepal. Wir sind gespannt 🙂

    Viele Grüße
    Florian

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