Vipassana Erfahrungsbericht Titel

Vipassana Erfahrungsbericht: 10 Tage absolute Ruhe

Zehn Tage ohne Kommunikation mit anderen Menschen, keine Elektronik, keine Bücher – vollkommene geistige Ruhe. Jeden Tag 11h meditieren, um 4h aufstehen, die letzte (vegetarische) Mahlzeit um 12h mittags zu sich nehmen, nicht töten und keine sexuellen Handlungen vornehmen. Dies waren nur einige der Regeln, denen ich mich während des 10 tägigen Vipassana Kurses freiwillig unterwarf. Lange habe ich überlegt, ob und wie ich einen Vipassana Erfahrungsbericht verfassen kann. Die Erfahrungen und Eindrücke während des Kurses sind derart intensiv und vielschichtig, dass man ganze Bücherregale damit füllen könnte. In diesem Vipassana Erfahrungsbericht gebe ich nur einige ausgewählte Eindrücke wieder.

 

Inhalt Vipassana Erfahrungsbericht

 

I. Anreise und Ankunft im Vipassana Zentrum in Chantaburi, Thailand
Orte zum Meditieren: Das eigene Zimmer und die Dhamma Hall
Die erste Meditationseinheit

 

II. Tag 1 bis 3 – Die Zähmung des Geistes
Der „Luftballon der Konzentration“ und die Dartpfeile
Tiefe Trance und grobes Erwachen
Sensations im Bereich der „Moustache-Area“

 

III. Tag 4 bis 6 – Konzentration und Gleichmut stärken
Der Bodyscan
Anicca – Das Gesetz der ewigen Veränderung
Gleichmut und objektive Beobachtung als Fundament der Meditation
Wie der Schmerz verschwand
Selbstgespräche und Musik im Kopf

 

IV. Tag 7 bis 10: Zum ersten Mal richtig sehen und schmecken
Doping für die Sinne
Körperliche Erschöpfung
Endlich wieder sprechen!

 

V. Fazit zum Vipassana Erfahrungsbericht

 

I. Anreise und Ankunft im Vipassana Zentrum in Chantaburi, Thailand

Nach meiner abenteuerlich-chaotischen Anreise von Bangkok aus (mehr an anderer Stelle) wurde im Vipassana Zentrum alles administrative geklärt: sämtliche elektronischen Geräte und Bücher habe ich abgegeben, meinen Namen in eine Liste eingetragen und gegenüber dem Veranstalter versichert, dass ich mir den 10 Tageskurs Vipassana Meditation zutraue und nicht wegen psychischer Erkrankungen in Behandlung bin. Schon bei diesen administrativen Angelegenheiten wurde auf eine strikte Trennung von Männern und Frauen geachtet, die während eines Kurses separat voneinander essen und wohnen – nur die Meditation mit geschlossenen Augen wird in ein- und demselben Raum gestattet.

 

Orte zum Meditieren: Das eigene Zimmer und die Dhamma Hall

Vipassana Erfahrungsbericht ZimmerDanach ging es gleich auf das eigene Zimmer, in diesem Fall schon fast eine kleine Wohnung mit Bett, Kleiderstange, Bad und einem kleinen Balkon. Sämtliche Gebäude sind in hellen Farben und weltanschaulich vollkommen neutral gehalten. Abends bekam die Gruppe eine theoretische Einführung bei der die Regeln erläutert wurden und die erste Aufgabe gestellt wurde: Konzentriere dich auf deine Atmung. Dhamma-HallDanach fanden wir uns in der sog. Dhamma Hall ein. Dies ist eine schallisolierte und klimatisierte Halle in der ca. 150 Menschen auf etwa 1qm großen Kissen Platz finden können. Die hellbeigefarbenen Fliesen, die weißen Wände und die scheinbar perfekt symmetrisch angeordneten blauen Sitzkissen für die Teilnehmer verliehen dem Raum etwas laborartiges.

 

Die erste Meditationseinheit

Kaum nahmen wir Platz in der Dhamma Hall, meldete sich der bereits verstorbene S.N.Goenka (über Jahrzehnte der angesehenste Vipassana Lehrer) per Tonband zu Wort – er brabbelte exotisch klingende Laute vor sich hin, die einem Singsang ähnelten und mich zu Beginn etwas verstörten. Es war Sanskrit (altindisch) und mit der Zeit gewöhnte ich mich an diesen Klang, zum Ende des Kurses hin mochte ich ihn sogar *smile. Die Aufgabe bestand darin, die Atmung zu beobachten: Durch welches Loch strömt die Luft ein? Welche Temperatur hat sie? Wo strömt sie hin? Was passiert beim Ausatmen? Ist die Luft jetzt kälter? Wo strömt die Luft jetzt hin? Meine Beobachtungen wurden immer wieder von aufdringlichen Gedanken gestört. Statt die Konzentration voll auf das Jetzt (die Atmung) zu richten, befasste sich mein Geist permanent mit der Vergangenheit, der Zukunft, einem Verlangen oder einer Aversion gegen etwas. Besonders stark war die Aversion gegen die jeweilige Sitzposition. Nach 10 Minuten begann es unangenehm zu werden – trotz der zahlreichen Kissen mit denen ich Knie, Knöchel und Gesäß polsterte. Gespannt auf die nächsten Tage ging ich zu Bett… Offenbar zu gespannt, da ich große Probleme beim Einschlafen hatte.

 

II. Tag 1 bis 3 – Die Zähmung des Geistes

Die Konzentration auf die Atmung stand im Zentrum der ersten 3 Tage des Vipassana Kurses. Spielte sich an Tag 1 und 2 alles rund um die Nasenlöcher und Nasenflügel ab, konzentrierten wir uns ab Tag 3 zusätzlich auf die Oberlippe (sog. „Moustache-Area” *smile).

 

Der „Luftballon der Konzentration“ und die Dartpfeile

Während meiner ersten Vipassana Meditationseinheiten kam mir immer wieder ein Bild in den Kopf. War die Konzentration für 5 – 10 Sekunden auf die Atmung gerichtet sah ich einen farblosen Ballon vor meinem inneren Auge. Jeder Gedanke, der aus meinem Hinterkopf (so fühlte es sich an) ins Bewusstsein drang wurde als Dartpfeil visualisiert. Während der ersten 2 Tage waren diese Dartpfeile zahlreich und irre schnell, ich musste alle paar Sekunden einen neuen “Luftballon” aufblasen, der auch wieder nur für Sekunden hielt. Enorm wichtig hierbei ist es, keinen Frust und Unmut über die ablenkenden Gedanken aufkommen zu lassen, sondern gleichmütig (s.u.) zum Atem zurückzukehren. Folgt man dem, werden die Pfeile in ihrer Anzahl geringer und fliegen auch sehr viel langsamer. Schon an Tag 2 konnte ich die Konzentration minutenlang auf den Atem richten. Selbst wenn einer der wenigen Gedanken kam, so schob er sich nur langsam ins Bewusstsein und ich konnte ihn gemächlich beiseite schieben.

 

Tiefe Trance und grobes Erwachen

Schon 2012 auf den Gili Travangan meditierte ich jeden Tag auf eigene Faust und hatte dabei teilweise eigenartige Erlebnisse. So sah ich eines abends urplötzlich helle Lichter vor meinem inneren Auge, die ein irres Glücksgefühl in mir auslösten. Am zweiten Tag des Vipassana Kurses gelang es mir die Konzentration minutenlang auf die Atmung zu richten. Ich spürte wie ich mit jedem Atemzug tiefer in der Konzentration versank. Das Quieken eines der vielen Gekkos, die es sich in der Halle bequem gemacht hatten, riss mich aus diesem tiefen Trancezustand. Meine Ohren empfingen das Geräusch als Sinneswahrnehmung, allerdings dauerte es gefühlt 5 Sekunden bis mein Gehirn es verarbeitete – ein unheimliches und zugleich faszinierendes Gefühl. Obwohl ich die totale Kontrolle über meinen Geist hatte war dies ein Moment des Kontrollverlusts. Derlei Erlebnisse tauchen beim einen häufiger auf, beim nächsten seltener und bei manchen gar nicht. Sie sind jedenfalls nur Nebenerscheinungen und nicht etwa Ziel der Meditation. Diese Erfahrungen sind einer der Gründe, warum Vipassana Meditierende während des Kurses nicht miteinander sprechen sollen: Sie führen zu Vergleichen untereinander und begünstigen damit ein Verlangen nach diesen Erlebnissen, was einer gleichmütigen (s.u.) Wahrnehmung aller Eindrücke entgegensteht.

 

Sensations im Bereich der “Moustache-Area“

Ab dem dritten Vipassana Tag sollten wir unsere Konzentration von der Nase auf den Oberlippenbereich ausdehnen. Hierbei galt es sämtliche Sinneswahrnehmungen, die sog. Sensations objektiv zu beobachten. Sensations können in unbegrenzter Vielfalt auftreten: als Jucken, Kribbeln, Vibrieren, Schmerzen, Wärme, Druck, Vibrationen etc. Nach weiteren 10h Meditation fühlte ich kleinste Regungen auf der Oberlippe. Nicht durchgängig, aber immer mal wieder. Mit dieser letzten Konzentrationsübung war die Grundlage für die eigentliche Vipassana Technik geschaffen.

 

III. Tag 4 bis 6 – Konzentration und Gleichmut stärken

 

Der Bodyscan

Ab dem vierten Tag wurden wir in die eigentliche Vipassana Technik eingewiesen, bei der man die bisherigen Übungen auf den gesamten Körper überträgt. Man beginnt bei der Schädeldecke und scannt dann nacheinander Gesicht, Arme, Brust und Bauch, Rücken und zuguterletzt die Beine und Füße auf Sensations ab. Ein Scan dauert ca. 20 Minuten bei guter Konzentration. Fortgeschrittene Vipassana Meditierende nehmen Sensations auch im Körperinnern, etwa in Organen oder Knochen wahr – die Technik bleibt dabei die gleiche. Für meine ersten Scans brauchte ich weit mehr als 20 Minuten und hatte viele “blanke Stellen”, an denen sich keine Sensations zeigten. Auch das ist bei jedem Meditierenden anders, Übung macht den Meister.

 

Anicca – Das Gesetz der ewigen Veränderung

Annica ist Sanskrit (Altindisch) und steht für das buddhistische Konzept der Unbeständigkeit allen Seins. Dieses Konzept besagt, dass jede Sinneswahrnehmung, jeder Gegenstand, jedes Leben auf dieser Welt permanenter Veränderung unerliegt . Ich betrachte meine Umgebung und sehe z.B. meinen Laptop, der eines Tages in seine Einzelteile zerlegt und recycelt wird oder in einer Wüste der 3. Welt zerfällt. Die Möbel auf denen ich sitze werden eines Tages auf dem Schrottplatz landen oder als Feuerholz dienen. Die Menschen um mich herum altern in jeder Sekunde – in biochemischen Prozessen zerfallen Zellen und werden neu gebildet bis der gesamte Organismus eines Tages stirbt. Gleiches gilt für die Sensations, die du in deinem Körper fühlst: jede Wahrnehmung (ein Geschmack, ein Geräusch, ein Kribbeln, ein Schmerz, ein Geruch usw.) wird nur einen Augenblick währen und sich dann verändern. In den folgenden Tagen galt es, das Konzept von Anicca am eigenen Leib zu überprüfen. Dies ist eine wichtige Funktion des Bodyscans, den ich nun jeden Tag zig Mal durchführte. Goenka sagte, dass er für sich selbst keinen Gedanken annehmen sollte, der nicht 1. naturwissenschaftlich belegbar ist und 2. am eigenen Leib erfahrbar ist – in diesem (und den meisten anderen Fällen) sehr überzeugend.

 

Gleichmut und objektive Beobachtung als Fundament der Meditation

Die enorme Konzentration und die Akzeptanz von Anicca sind Grundvoraussetzungen für die Meditation. Goenka verglich Konzentration und Gleichmut mit den beiden Flügeln eines Vogels – fehlt eines von beidem, wird er nicht fliegen. Was aber ist mit Gleichmut gemeint? Alle Sinneswahrnehmungen sollen objektiv beobachtet werden, ohne für sie eine Anhaftung oder eine Aversion zu entwickeln. Ich empfand bspw. ein angenehmes Kribbeln auf der Haut und nahm es gleichmütig wahr: ich genoss es in dem Bewusstsein, dass es sich bald verändern würde (Anicca). Genauso empfand ich den unangenehm juckenden Mückenstich in dem Bewusstsein, dass das Jucken bald durch eine andere Empfindung ersetzt würde. Und oh Wunder – es war jeweils der Fall. Dieses Konzept lässt sich auch auf die emotionalen Hochs und Tiefs des Lebens anwenden, um in geistiger Balance zu bleiben. Mehr dazu an anderer Stelle.

 

Wie der Schmerz verschwand

Ab dem vierten Tag wurde eine neue Regel eingeführt:die des “determined Sitting” (bestimmtes Sitzen). Hierbei musste man 3x täglich für eine volle Stunde die ausgewählte Sitzposition beibehalten – ohne sich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Diese Regel bescherte mir ungeahnte Schmerzen in Rücken und Knien, hatte aber einen tieferen Sinn: anhand der unglaublichen Schmerzen versteht man das Konzept von Anicca und meditiert zum ersten Mal wirklich gleichmütig. Ich saß also in der Dhamma Hall und scannte meinen Körper. Es fiel mir schwer mich auf meine rechte Schulter zu konzentrieren, da mein Rücken vor Schmerz pulsierte und ich kaum Atmen konnte. Am Schmerzpunkt angekommen, betrachtete ich den Schmerz rein objektiv. Er veränderte sich permanent. Bei jedem Atemzug wanderte er ein Stück nach oben, beim Ausatmen verflog er kurzzeitig nur um danach umso intensiver zurückzukehren. Ich beobachtete den Schmerz minutenlang, er wurde zum Objekt meines persönlichen Experiments. Plötzlich war es, als würde ich den Schmerz durch eine Schaufensterscheibe bewundern; als identifizierte ich mich nicht mehr mit ihm. In diesem Moment stoppte die Aversion gegen ihn. Mit dieser Konzentration und diesem Gleichmut wäre es möglich gewesen, weitere Stunden in der Position des bestimmten Sitzens zu verharren. Ich bin überzeugt davon, dass die Vipassana Meditation chronische Schmerzen lindern, wenn nicht sogar heilen kann. Auch Goenka litt in jungen Jahren an einer scheinbar unheilbaren Migräne, die ihn immer wieder heimgesucht hat und von keinem Arzt in Deutschland, England und Frankreich geheilt werden konnte. Auf der Suche nach Linderung stieß er in Burma (heute Myanmar) auf die Vipassana Meditation, die von da an zu seinem zentralen Lebensinhalt wurde.

 

Selbstgespräche und Musik im Kopf

Am 5. Tag stand ich um 4.25h morgens auf, ging ins Badezimmer und hielt meinen Kopf unter kaltes Wasser um wach zu werden. Ich trocknete mich ab, schaute in den Spiegel und mir ging ein Satz über die Lippen, ungewollt und unkontrolliert: „Aufi aufi, auf sie draufi” – der Ausspruch stammt von meinem ersten Fußballtrainer und Vater von einem sehr guten Freund *smile. Erschrocken schüttelte ich in den Kopf und ging in die Dhamma Hall für die nächste Meditation. Kaum saß ich auf den Kissen, hörte ich Stimmen und Melodien in meinem Kopf: von Offspring über Oasis bis hin zu Eminem und dem Zion Rave aus Matrix war alles dabei. Wurde ich jetzt verrückt? Sowohl kurze Selbstgespräche als auch Musik im Kopf haben mich von diesem Moment an immer mal wieder begleitet während des Retreats. In Gesprächen mit anderen Teilnehmern stellte sich später heraus, dass auch diese ähnliche Erfahrungen gemacht haben, eine wohl klassische Nebenwirkung der Noblen Stille (noble silence).

 

IV. Tag 7 bis 10: Zum ersten Mal richtig sehen und schmecken

 

Doping für die Sinne

Vipassana-KuecheMein Geist war gezähmt. Es schossen keine Gedanken mehr unkontrolliert in meinen Kopf, ein Gefühl innerer Klarheit und Ruhe breitete sich aus. Wie jeden Tag nahm ich mir von dem wahnsinnig guten Thai Essen eine solide Portion auf meinen Teller und setzte mich an meinen Platz mit der Nummer 6. Er bestand aus einem Plastikhocker und einem Tisch, den man von der Wand herunterklappen konnte. Um keinen Blickkontakt mit anderen Teilnehmern aufzubauen schaute man also gegen eine Wand. Gewissermaßen setzte ich dann die Meditation beim Essen fort: jeder Bissen bekam meine volle Konzentration; ich spürte wie sich verschiedene Geschmäcker ausbreiteten, intensiver wurden, überlagert wurden und letztendlich verschwanden – anicca. Ich spürte wie der Happen die Kehle hinunterging und sich die Speiseröhre weitete. Ein irres Gefühl, es war als würde ich zum ersten Mal wirklich essen. Zum Thema Essen mit Achtsamkeit an anderer Stelle mehr.Vipassana-Natur Ähnliches habe ich mit meinen Augen erlebt: Die wunderschöne Natur rund um das Zentrum hielt mich Minutenlang gefangen. Ameisen und Spinnen, die meinen Weg kreuzten, Blätter die sich im Wind bewegten entfesselten eine unheimliche Faszination. Der Entzug aller Sinneswahrnehmungen über Tage führte zu einer extremen Sensitivität der Sinnesorgane. Ich versuche diese Sensitivität auch im Alltag zu entwickeln – ein schwieriges Unterfangen.

 

Körperliche Erschöpfung

Ab dem 9. Tag steckten mir die täglich 11h Meditation in den Knochen. Morgens und abends konnte ich die Konzentration halbwegs aufrecht halten, in der Mittags- und Nachmittagszeit war ich unheimlich müde. Als ich mal wieder eine Einheit in mein Zimmer verlegte, schlief ich auf meinem Stuhl sitzend ein – meinem Vipassana Vogel fehlte der Flügel der Aufmerksamkeit. Wenn ich daran denke, dass es auch 40 Tages-Kurse gibt, frage ich mich wie die Leute das machen. Vermutlich sind die körperlichen Reaktionen auf den Sinnesentzug und die intensiven Erfahrung zu Beginn schwerer zu verkraften als nach langjähriger Erfahrung. Auch das werde ich eines Tages herausfinden – der Entschluss ist bereits gefasst *smile.

 

Endlich wieder sprechen!

Am 10. Tag war es dann soweit. Nach der morgendlichen Meditation öffnete ich die Tür zur Dhamma Hall und sah einen der freiwilligen Helfer, der an einem frisch aufgestellten Schild mit der Aufschrift “Die noble Stille ist jetzt aufgehoben. Dennoch wird um Ruhe in und vor der Dhamma Hall gebeten” lehnte. Ich spazierte neben meinem Nachbarn entlang, der die Wohnung neben und das Kissen vor mir bezogen hatte. Wir teilten diese intensiven Eindrücke innerlich miteinander aber wussten nicht worüber wir nun sprechen sollten. Mit krächzender, belegter Stimme fragte ich ihn “How do you feel?” – es war als würde eine anderer Mensch sprechen, gruselig. Es war der Beginn eines mehrstündigen, tiefgründigen Gesprächs, an dem noch einige andere Westler beteiligt waren – mehr dazu an anderer Stelle.

 

V. Fazit zum Vipassana Erfahrungsbericht

Auf die 10 Tage Vipassana Meditation sehe ich rückblickend als ein sehr zentrales Lebensereignis an. Es war, als hätte ich zum ersten Mal die Tür zu meinem selbst geöffnet und eine Ahnung davon bekommen, was mich eigentlich glücklich bzw. unglücklich macht im Leben. Bevor du dich für einen Kurs anmeldest, empfehle ich weitere Informationen zu dem Thema zu sammeln und die Entscheidung gut zu überdenken – diese 10 Tage werden dich an deine körperlichen und psychischen Grenzen bringen. Mir persönlich hat es auch geholfen zuvor schon auf eigene Faust zu meditieren und erste (wenn auch oberflächliche) Erfahrungen mit der inneren Ruhe und Konzentration zu sammeln.

 

Konnte ich dein Interesse rund um das Thema Meditation und Achtsamkeit wecken? Dann schau dir doch mal meine Literaturempfehlungen zu Achtsamkeit und Meditation an.

 

Einen guten Überblick über die Vipassana Technik bekommst du in unserem Post
Vipassana Meditation: Wer, wie, was, warum? und in den Dhamma Talks von S.N. Goenka. Hier eines der höchst lehrreichen und witzigen Videos:

 

Du hast weitere Fragen zum Vipassana Erfahrungsbericht oder möchtest eigene Erfahrungen teilen? Ab damit in die Kommentare!



'Vipassana Erfahrungsbericht: 10 Tage absolute Ruhe' have 15 comments

  1. 02/01/2015 @ 11:26 Margot-Chr Bockholt

    Alex, das hat mich berührt!

    Reply

    • 07/01/2015 @ 12:22 ElenAlex

      Das freut mich, Margot. Beim naechsten Treffen kann ich plaudere ich nochmal etwas aus dem Naehkaestchen (ungeeignetes Wort fuer die Amitastatur).

      Vll. ist der 10 Tageskurs auch etwas fuer dich? 🙂 LG!

      Reply

  2. 05/01/2015 @ 0:07 Ivana

    Spannend zu lesen, mache ich vielleicht auch mal…
    Muss mal googlen, ob es das auch in Deutschland gibt.

    Viele Grüße,
    Ivana

    Reply

  3. 19/02/2015 @ 20:13 Digitales Fasten: Challenge accepted!? I AUSZWEIT

    […] digitales Fasten bzw. Digital Detox auf das nächste Level bringen möchtest, check unseren Post Vipassana Erfahrungsbericht: 10 Tage absolte Ruhe etwas für […]

    Reply

  4. 08/04/2015 @ 14:13 Arne

    Hallo, erstmal danke für den tollen Bericht das klingt sehr interessant. Ich plane ab Mitte des Jahres auch eine große Asienreise, und da ich zuhause auch schon medtiere und Yoga mache wollte ich auch an einen Retreat teilnehmen oder für einen Zeitraum von bis zu 1 Monat mal in einen Kloster/Tempel leben.

    Mein Budget ist ziemlich begrenzt, wieviel hast du für den Vipassana Retreat gezahlt?

    Liebe Grüße und danke für die Hilfe!
    Arne

    Reply

    • 09/04/2015 @ 20:48 ElenAlex

      Hi Arne,

      das hört sich doch alles sehr gut an, ich freue mich für dich! Besonders da du schon Erfahrungen mit Meditation gemacht hast, kann ich mir gut vorstellen, dass Vipassana etwas für dich ist.

      Die Kurse werden KOSTENLOS angeboten. Der Ansatz von Vipassana ist es, für 10 Tage ein „Leben als Mönch“ zu bieten – dazu gehört es auch, von den Gaben anderer abhängig zu sein. Wenn du den Vipassana Kurs vorher zahlen würdest, hättest du zudem ein Anspruchsdenken (mehr Essen, weichere Betten usw.)… Nach dem Kurs kannst du freiwillig spenden, um Vipassana zu unterstützen. Das machen die meisten aber nicht alle. Die Höhe der Spende bleibt dir überlassen und kann sich nach deinem Budget richten. Wenn du gar nichts übrig hast, kannst du dir auch überlegen eines Tages als freiwilliger Kurshelfer „etwas zurück zu geben“.

      Be happy
      Alex

      Reply

      • 17/04/2015 @ 16:20 Arne

        sehr cool, dann werden wir das machen 🙂 dankeschön.
        Noch eine Frage, bei welchem von beiden Zentren in Chantaburi warst du?
        Es gibt ja Chantaburi Kancana (http://www.kancana.dhamma.org/)
        und Canda Pabhā (http://www.candapabha.dhamma.org/)?

        Danke nochmal

        Reply

        • 17/04/2015 @ 17:00 ElenAlex

          Ich war bei Canda Pabha. Solltest du dich dafür entscheiden und auch einen Platz bekommen, dann gebe ich dir noch ein paar Tipps bezüglich der Anreise. Das war bei mir das reinste Chaos. Im Nachhinein eine lustige Geschichte, aber ich hätte den Kurs beinahe verpasst.

          LG Alex

          Reply

  5. 01/05/2015 @ 0:09 360° Retreat: Bewegung, Ernährung & Entspannung

    […] Eine Kombination aus partieller Großstadtverdrossenheit und Fragen von Freunden zu Alex Vipassana Retreat führte zu folgender Idee: Warum nicht für ein paar Tage das Großstadtleben gegen Bauernhofidylle […]

    Reply

  6. 10/05/2015 @ 15:46 DNX Digitale Nomadenkonferenz: Highlights & Gedanken

    […] Menschen zu helfen ein glücklicheres Leben zu führen, eigenständig und unabhängig zu leben, zu meditieren , sich gesund zu ernähren und Zeit mit den Liebsten zu verbringen. Wo kann ich das […]

    Reply

  7. 18/05/2015 @ 8:19 denisfuellingDenis

    Super guter Post Alex.
    Bin gerade work and traveln in Neuseeland und habe von vipassana erfahren. Ich hab dazu 3 1/2 Fragen:)

    Ich hab das im Selbstversuch Gemacht 5mal die Woche a 10-15min. Aber mir kamen so viele Gedanken im Kopf vom Alltag, ich konnte mich kaum auf die Atmung konzentrierten. Ging das sofort nach dem ersten Tag besser?
    Schmerzen im rücken… Und über Stunden die selbe posi beim sitzen. Darf man sich „normalerweise“ etwas bewegen und hast du bis zu diesem gewissem Punkt jeden Tag mit schmerzen zu kämpfen?
    Wie war deine Einstellung im vorfeld dazu, warst du vollkommen überzeugt das zu machen oder nur mal nen Versuch wo du eh in der Nähe bist?
    Und die letzte und nicht weniger wichtige frage. Um 12 das letzte essen??

    Lass es dir gut gehen und schöne grüße aus Mittelerde
    Denis

    Reply

    • 18/05/2015 @ 21:30 ElenAlex

      Hi Denis,

      freut mich für dich, dass du in NZ bist, muss ja ein unfassbar schönes Land sein. Steht bei uns auch auf der Liste 😉

      Hier meine Gedanken zu deinen Fragen:
      – Die Gedanken sind bei mir am dritten Tag (nach 33h Meditation, da 11h am Tag) deutlich langsamer geworden. Ich hatte volle Kontrolle über das Gedankenkarrussel. Die 15 Min. Einheiten werden dich nicht so weit bringen, weil der Geist in dieser kurzen Zeit nicht wirklich zur Ruhe kommen kann, das baucht deutlich mehr Zeit.

      – Ja, die ersten 3 Tage kannst du dich soviel bewegen wie du möchtest. Ab dem 4. Tag gibt es täglich jeweils 2x 1h „determined sitting“. In diesen Sessions sollst du möglichst die Position halten – es geht um die volle Konzentration auf den Schmerz, der bei korrekter Ausführung „verschwindet“… Schau nochmal im Text nach, ich beschreibe das recht ausführlich 😉

      – Meine Einstellung dazu im Vorfeld würde ich als „offen für alles“ beschreiben. Ich hatte zuvor einige Bücher zum Thema Meditation und auch zu Vipassana im Besonderen gelesen, die mir die Vorbereitung erleichtert und die Erwartungen deutlich umrissen haben: http://auszweit.de/literatur-achtsamkeit/ V.a. Männer die auf Raufaser starren bietet einen witzigen Einstieg in Vipassana.

      – Das letzte Essen um 12h gilt v.a. für die erfahrenen Vipassana-Schüler. Als „Anfänger“ bekommst du um 16h nochmal Brot, Obst etc. während alle anderen nur Tee bekommen 😉

      Ich kann dir nur dringend zu dieser Erfahrung raten, es wird dein Leben verändern, versprochen. Lass dich nicht aus dem Konzept bringen und zieh es durch, es gut um 10 Tage deines (hoffentlich sehr langen und glücklichen) Lebens und wird dich persönlich sehr stark entwickeln. Freue mich über weiteren Austausch dazu, wenn du es hinter dich gebracht hast 🙂

      Grüß mir die lieben Hobbits und lass dich nicht von den Nazgul erwischen
      Alex

      Reply

  8. 30/05/2016 @ 19:33 10 Tage Vipassana: Schweigen – Meditieren – Einsehen | sunny-cloud.de

    […] Wie oben bereits gesagt, ist ein Vipassana-Bericht etwas sehr subjektives. Wer gerne noch einen anderen Bericht (auch von einer anderen Vipassana-Schule und Technik) lesen möchte, dem empfehle ich den Vipassana-Retreat Post von Auszweit. […]

    Reply


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